Wölfen im außerschulischen Unterricht begegnen: fächerverbindend, regional, aktuell

Außerschulischer Unterricht kann schulische Bildungsprozesse sinnvoll ergänzen. Auch in ländlichen Regionen gibt es eine Vielfalt an Lernorten, die für außerschulischen Unterricht erschlossen werden können. Beispielhaft erprobt die TU Dresden im Rahmen der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" in Kooperation mit regionalen Partnern in der Oberlausitz Konzepte für fächerübergreifenden außerschulischen Unterricht zum Zusammenleben von Mensch und Wolf.

sechs junge Menschen stehen vor einer Scheune

Das Team der Lernlandschaft Sachsen von TUD-Sylber zu Gast bei der Umweltbildungsstelle Wolf in Rietschen.

© Sebastian Schellhammer

Außerschulischer Unterricht kann schulische Bildungsprozesse, die meist im Klassenzimmer ablaufen, sinnvoll ergänzen. Die Auseinandersetzung mit Problemen und Fragestellungen, die die Wirklichkeit aufwirft, macht Lerngegenstände greifbar und anschaulich. Besonders fruchtbar ist der Besuch außerschulischer Lernorte (zum Beispiel Museen, Gedenkstätten, Unternehmen), wenn dort forschende und fächerverbindende Lernarrangements Anwendung finden. Nur wenige Lernorte sind in der Lage, selbst anspruchsvolle Lernangebote für Schülerinnen und Schüler selbst zu entwickeln. Während es in Dresden wie in anderen Großstädten zahlreiche gut ausgestattete Lernorte gibt, die häufig über eigene (museums-)pädagogische Konzepte verfügen, sind Lernorte in Sachsens ländlichen Regionen meist weniger gut für eine schulische Nutzung erschlossen. Auch Lehrkräfte sind häufig nicht ausreichend auf außerschulischen Unterricht vorbereitet.

Die vorhandenen Potentiale stärker nutzbar zu machen, ist das Ziel des Projektteams "Lernlandschaft Sachsen" an der Technischen Universität (TU) Dresden. Im Maßnahmenpaket "Synergetische Lehrerbildung" (TUD-Sylber²), das im Rahmen der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" von Bund und Ländern gefördert wird, nehmen sich Fachdidaktikerinnen verschiedener Fächer der Aufgabe an, didaktische Ansätze für fächerverbindenden außerschulischen Unterricht zu erforschen und das Thema in das Lehramtsstudium, aber auch in das Referendariat und in die Lehrkräftefortbildung zu tragen.

Bereits in der ersten Förderphase der Qualitätsoffensive wurden theoretische Grundlagen und exemplarische Unterrichtseinheiten für außerschulisches Lernen erarbeitet und 2020 in einem Studienbuch publiziert. Nun geht es darum, außerschulischen Unterricht gemeinsam mit Lernorten und Schulen in den peripheren Regionen Sachsens weiterzuentwickeln. Dabei werden vor allem Gegenstände und Fragestellungen mit einem starken regionalen Bezug in den Blick genommen. Für Ostsachsen gehören dazu Themen wie der Bergbau im Erzgebirge, der Tagebau in der Lausitz oder das Zusammenleben von Mensch und Wolf, das seit einigen Jahren kontrovers diskutiert wird.

Dem Wolf widmet sich ein Unterrichtskonzept, das in Kooperation mit der Umweltbildungsstelle Wolf in Rietschen entwickelt wurde und im Frühjahr 2021 mit Schulen der Region erprobt wird. In einem fächerübergreifenden Arrangement der Fächer Deutsch und Geographie setzen sich Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 und 6 sich mit der Rückkehr des Wolfes in die Oberlausitz auseinander. Im Rahmen einer, als detektivischen Ermittlungsarbeit inszenierten, Erkundung setzen sich die Schülerinnen und Schüler an Stationen mit unterschiedlichen Perspektiven auseinander. Sie recherchieren in Märchentexten, fertigen Landschaftskartierungen und Abgüsse von Wolfsspuren an und befragen Akteurinnen und Akteure der Region. Aufgrund ihrer Erkundungen positionieren sich die Schülerinnen und Schüler in der kontroversen Debatte um den Umgang mit dem Wolf und üben so Grundmuster des Argumentierens und Stellungnehmens ein.

Nach der Erprobung wird das Unterrichtskonzept den lokalen Partnern zur nachhaltigen Weiternutzung übergeben. Die Erfahrungen und Erkenntnisse der Erprobung helfen zudem dabei, Gelingensfaktoren für außerschulischen Unterricht zu identifizieren. Dies fließt in die Weiterentwicklung eines Rahmenmodells ein, das perspektivisch im Lehramtsstudium sowie in Lehrkräftefortbildungen dazu beitragen kann, Lehrkräften die Planung und Durchführung außerschulischen Unterrichts nahezubringen.