Wo steht die Lehrerbildung heute?

Manfred Prenzel, Vorsitzender des Auswahlgremiums für die „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ und Isabell van Ackeren, Prorektorin für Studium und Lehre und Projektleiterin für die „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ an der Universität Duisburg-Essen zur Frage, wo die Lehrerbildung im Vergleich zu anderen Studiengängen steht.

van Ackeren und Prenzel im Gespräch

Isabell van Ackeren und Manfred Prenzel

BMBF, Foto: Alexandra Roth

Prenzel: Wenn man die Lehrerbildung einordnen möchte, muss man sie mit anderen stark professionsorientierten Studiengängen vergleichen. Da kommt die Medizin in den Blick oder Jura, zum Teil auch die Ingenieurwissenschaften. Es handelt sich hier um Studiengänge, die in ihrer Grundorientierung darauf abzielen, dass Menschen für bestimmte berufliche Tätigkeiten qualifiziert werden. Allerdings unterscheiden sich die Zugänge und zum Teil auch die Wertschätzung. Und die Studierenden werden anders wahrgenommen: „Du studierst Medizin? Klar, dafür haben wir eine Fakultät an der Universität, aber Lehramt, was denn im Einzelnen und wo?“. Früher sind Lehramtsstudierende in den Fächern einfach mitgelaufen. Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass man - wie bei der Medizin – angesichts der hohen Verantwortung im Berufsfeld die herausgehobene Verantwortung der Universitäten für die Ausbildung wahrnimmt. Bildung ist ein großes Thema - wie die Gesundheit - das muss uns etwas kosten und da brauchen wir gute Konzepte. Die „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ trägt maßgeblich zu dieser Orientierung bei. Innerhalb der Hochschulen wird darüber nachgedacht, wie ein kohärentes Studienkonzept aussieht, wie Ressourcen gebündelt und wie Studienpläne gut abgestimmt werden können.

van Ackeren: Sicherlich gibt es Unterschiede zwischen den Hochschulen in der Frage, wie hoch der Stellenwert der Lehrerbildung im Vergleich der Studiengänge ist. Das zeigt sich zum Beispiel darin, ob die Lehrerbildung im Leitbild einer Hochschule verankert ist, ob sie Thema im Hochschulentwicklungsplan ist und Visionen für die Lehrerbildung entwickelt werden, inwiefern die Hochschulleitung eingebunden ist und Lehrerbildung zur Chef- oder Chefin-Sache macht. Lehrerbildung ist zudem Gegenstand einer breit angelegten Bildungsforschung, die in den letzten 15 Jahren einen enormen Aufwind erlebt hat. Die systematischere Verknüpfung mit der Forschung ist an einigen Standorten durchaus eine profilbildende Strategie und bringt Forschungsreputation ein, von der die Lehrerbildung – ebenso mit Blick auf die Qualitätsentwicklung – wiederum profitieren kann. Mit begleitender Forschung können wir untersuchen, inwiefern wir die gesetzten Ausbildungsziele tatsächlich erreichen.

Prenzel: Die Lehrerbildung hat ein Schnittstellenproblem mit der zweiten Phase, dem schulpraktischen Vorbereitungsdienst. Das ist in der Medizin einfacher. Mit den Universitätsklinika gibt es ein integriertes Konzept und eine starke Rückmeldung. Die Kliniker merken, was die ausgebildeten Mediziner können und was nicht. Diese Rückmeldeschleife fehlt in der Lehrerbildung. In der zweiten Phase wirken andere Institutionen, die meiner Meinung nach viel zu wenig mit der Universität im Austausch sind.

Das gesamte Gespräch können Sie nachlesen in der BMBF Broschüre "Neue Wege in der Lehrerbildung", die über die Box am rechten Rand zum Download bereitsteht.