Willkommen in der Lehramtsausbildung! Sensibilisierung von Dozierenden der Fachwissenschaften für die Lehrerbildung an der TU Dresden

Um Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftler für die Lehrerbildung zu sensibilisieren, finden an der Technischen Universität Dresden sogenannte Willkommensbesuche statt. Dozierende werden in fachspezifisch aufbereiteten Workshops über die Inhalte und Struktur des Lehramts ebenso informiert wie über Motivationslagen und Bedürfnisse der Lehramtsstudierenden und dabei für ihre Rolle im Lehramtsstudium sensibilisiert.

zwei Blumensträuße liegen auf einem Tisch, dahinter ein Laptop

Willkommensbesuche für fachwissenschaftliche Dozierende in der Lehrkräftebildung der Technischen Universität Dresden

© Anja Besand

Von Rolf Puderbach

Ein großer Teil der Lehrveranstaltungen im Lehramtsstudium findet in den Fachwissenschaften statt, wo Lehramtsstudierende gemeinsam mit Fachstudierenden der jeweiligen Disziplin studieren. Die zuständigen Dozierenden richten ihre Lehre meist an den Fachstudierenden aus. Häufig ist ihnen dabei gar nicht bewusst, wie viele ihrer Studierenden das erste Staatsexamen im Lehramt anstreben. Und wenn, dann wird Lehramtsstudierenden nicht selten eine geringere Leistungsfähigkeit im betreffenden Fach zugeschrieben. Lehramtsstudierende klagen in der Folge häufig darüber, dass ihre Bedürfnisse und ihre Studiensituation in der fachwissenschaftlichen Lehre zu wenig Berücksichtigung finden.

An der Technischen Universität (TU) Dresden versucht das Projekt "Synergetische Lehrerbildung" (TUD-Sylber) diesem Problem durch Aufklärungsarbeit zu begegnen und hat dazu sogenannte "Willkommensbesuche" etabliert, um neu berufene Professorinnen und Professoren und neu eingestellte Mitarbeitende in den Fachwissenschaften für die Belange der Lehramtsstudierenden zu sensibilisieren.

In fachspezifisch aufbereiteten Präsentationen werden die Dozierenden sowohl über den Aufbau und die Anforderungen des Lehramtsstudiums, als auch über die Motivationslagen und Bedürfnisse der Lehramtsstudierenden informiert. Dazu werden grafisch aufbereitete Informationen aus Studiendokumenten und Studierendenstatistik ebenso eingesetzt wie Ausschnitte aus Studierendeninterviews sowie empirische Befunde der Lehrerbildungsforschung.

Dem Eindruck fehlenden Engagements und mangelnder Leistungsfähigkeit von Lehramtsstudierenden kann zum Beispiel entgegengewirkt werden, indem aufgezeigt wird, dass angehende Lehrkräfte neben dem Studium des jeweiligen Faches ein weiteres Fach sowie Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften studieren.

Ann-Christin Belling

"Dem Eindruck fehlenden Engagements und mangelnder Leistungsfähigkeit von Lehramtsstudierenden kann zum Beispiel entgegengewirkt werden, indem aufgezeigt wird, dass angehende Lehrkräfte neben dem Studium des jeweiligen Faches ein weiteres Fach sowie Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften studieren", berichtet Ann-Christin Belling von der Professur für Didaktik der politischen Bildung, die mit ihren Kolleginnen die Willkommensbesuche gestaltet. Überraschend ist für die Dozierenden meist, dass Lehramtsstudierende fachwissenschaftliche Lehrveranstaltungen häufig als Modell für die Vermittlung von Fachinhalten ansehen und den Dozierenden somit eine Vorbildrolle als Lehrkraft zukommt.

In der ersten Förderphase der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" wurden die Willkommensbesuche konzipiert und in den Instituten für Politikwissenschaft und Germanistik pilotiert. In der laufenden zweiten Förderphase wird das Format nun auch weiteren Fächern angeboten und bei Nachfragen fachspezifisch adaptiert. Den Anfang machte das Fach Informatik, wo auf Einladung der Professur für Didaktik der Informatik am 15. Oktober 2020 ein Willkommensbesuch in Form eines digitalen Workshops stattfand, an dem 13 Lehrende der Fakultät Informatik teilnahmen.

Die positive Resonanz zeigte, dass das Format durchaus auch für Dozierende gewinnbringend ist, die bereits längere Zeit an der TU Dresden tätig sind. Zudem erwies es sich als fruchtbar, auch Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktiker in die Veranstaltungen zu integrieren, und auf diese Weise den Dialog von Fachdidaktik und Fachwissenschaft im jeweiligen Fach zu intensivieren.