Ton + Klang + Geräusch = Musik? Preis des Gutenberg Lehrkollegs der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Im Dezember 2019 wurde die Masterarbeit "Ton + Klang + Geräusch = Musik? Eine Analyse vertieften Lernens in einem interdisziplinären Lehr-Lernprojekt der Fächer Musik und Physik", mit dem Preis des Gutenberg Lehrkollegs der Johannes Gutenberg-Universität Mainz für herausragende Abschlussarbeiten prämiert. Die Arbeit entstand als Pilotprojekt der Zusammenarbeit der Fächer Musik und Physik in der Mainzer Qualitätsoffensive Lehrerbildung.

ein Mikrofon vor einem Computerbildschirm; Foto: Magda Ehlers, pexels.com

Im Hörlabor des LLF Musik experimentieren Schüler*innen mit den Schallarten Ton, Klang und Geräusch.

© Foto: Magda Ehlers, pexels.com

Seit 2016 widmet sich das Mainzer Projekt "Lehr-Lern-Forschungslabor (LLF)" der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" der Frage, wie Unterrichtssettings kognitive Aktivierung und vertieftes Lernen initiieren können. Hierzu werden Unterrichtsprojekte in universitären Lehrveranstaltungen vorbereitet und reflektiert und anschließend in sogenannten Schüler*innen-Laboren durchgeführt.

Musik und Physik in interdisziplinärem Lehr-Lernprojekt

Die Fachdidaktik Musik ist seit 2019 neu mit im Projekt vertreten und arbeitet in einem Tandem mit dem Fach Physik. Als Pilotprojekt entstand in diesem Kontext die Masterarbeit "Ton + Klang + Geräusch = Musik? Eine Analyse vertieften Lernens in einem interdisziplinären Lehr-Lernprojekt der Fächer Musik und Physik", verfasst als Gemeinschaftsarbeit von Patrick Atzler und Sebastian Jaspers. Die Arbeit wurde im Dezember 2019 mit dem Preis für herausragende Abschlussarbeiten des Gutenberg Lehrkollegs prämiert.

In einer mehrstündigen Unterrichtsreihe erwerben Schüler*innen zunächst physikalisches Grundlagenwissen und experimentieren selbst mit den drei Schallarten Ton, Klang und Geräusch. Im zweiten Teil der Reihe werden die Erkenntnisse auf eigene Kompositionen übertragen, die sich an den elektronischen Kompositionen der 50er und 60er Jahre orientieren und die mithilfe graphischer Partituren festgehalten werden.

In vorbildlicher Weise setzt die Arbeit den ersten Zyklus eines Design-Based-Research-Projektes um, in dem zum einen Unterrichtsprojekte und -materialien entwickelt werden und zum anderen eine Forschungsfrage wissenschaftlich untersucht wird.

grafische Darstellung; Atzler/Jaspers Universität Mainz

Grafische Darstellung der drei Schallarten nach Atzler & Jaspers 2019, S. 129.

© Patrick Atzler und Sebastian Jaspers

Schüler*innen arbeiten eigenständig mit Tablets

Innovativ ist, dass die gesamte Unterrichtsreihe mit Tablets durchgeführt wird – hier kommen unter anderem die Apps GarageBand, Audiobus, Bebot und phyphox zum Einsatz. Die Arbeitsmaterialien mit kognitiv aktivierenden Höraufträgen und Anleitungen für die eingesetzten Apps ermöglichen es den Schüler*innen, weitestgehend eigenständig alle Schritte der Unterrichtseinheit zu durchlaufen, gleichzeitig finden immer wieder Plenumsphasen zur Sicherung der Arbeitsergebnisse statt.

Die Reihe endet in einer Abschlussdiskussion zu der Frage, ob Kompositionen, die aus Tönen, Klängen und Geräuschen bestehen, eigentlich als Musik bezeichnet werden können. Ausgangsbasis hierfür sind Zitate zum Thema neue Musik.

Die Forschungsfrage der Autoren setzt an den sprachlichen Äußerungen der Schüler*innen an und untersucht, inwiefern sich vertieftes Lernen anhand zunehmend reflektierter Äußerungen zu den musikalischen Phänomenen und anhand einer zunehmend distanzierten Perspektive zum Gegenstand äußert. Hierzu erfolgt eine qualitative Auswertung der videographierten Unterrichtsstunden.

Die Arbeit steht exemplarisch für die nun folgende gemeinsame Arbeit in der zweiten Förderphase der Mainzer "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" (2019-2023), an der neben den beiden genannten Fächern die Fächer Englisch, Romanistik, Geschichte, katholische Religion und die Bildungswissenschaften beteiligt sind.

Die Betreuung der Abschlussarbeit erfolgte durch Prof. Dr. Valerie Krupp-Schleußner (Hochschule für Musik Mainz) und Prof. Dr. Klaus Wendt (Institut für Physik, JGU Mainz).