Summer School Archäologie im Unterricht – fächerverbindende Fortbildung für Lehrkräfte

Anfang August fand in Husum die erste Summerschool „Archäologie für die Schule – jenseits von Lara Croft und Indiana Jones“ statt, die im Projekt LeaP@CAU mit Partnern aus der Universität Kiel und dem Land Schleswig-Holstein entwickelt wurde. An zwei Tagen beschäftigten sich Lehrkräfte der gesellschafts- und naturwissenschaftlichen Fächer in den Klassenstufen 5 bis 7 mit archäologischen Fragestellungen. Ein öffentlicher Abendvortrag im Nordfriesland Museum Nissenhaus ergänzte das Programm.

Teilnehmende bei der Zusammensetzng von Keramikscherben

Teilnehmende bei der Zusammensetzung von Keramikscherben

© CAU/Dr. Silke Rönnebeck

Während der Veranstaltung lernten die Lehrerinnen und Lehrer fünf verschiedene Module kennen, die sich unkompliziert in den Unterricht einbauen lassen. Diese behandeln die fundamentalen menschlichen Grundbedürfnisse Behausung, Bekleidung, Ernährung und soziales Miteinander sowie die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt. Eine entscheidende Rolle spielt dabei immer auch die Frage, wie Wissen über vergangene Zeiten entsteht und welche Relevanz dieses Wissen für das heutige Leben sowie die heutige Gesellschaft hat.

Bei der Durchführung des Moduls Behausung haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beispielsweise maßstabsgerecht einen Grabungsgrundriss vermessen. Als Hilfsmittel diente Ihnen eine 7×13 Meter große Plane mit dem Foto des realen Grabungsgrundrisses eines neolithischen Hauses in Originalgröße. Mit Zollstöcken haben sie das Haus eingemessen und anschließend mit Feldbuchrahmen maßstabsgerecht auf Millimeterpapier übertragen.

Im Modul Umwelt beschäftigten sich die Lehrkräfte mit der Charakterisierung vergangener Landschaften anhand von archäologischen Pollenfunden. Hierzu bestimmten sie Pollen unter dem Mikroskop und zogen aus den vorhandenen Pollen Rückschlüsse auf den vorliegenden Landschaftstyp. Anhand von Pollendiagrammen diskutierten sie außerdem die wechselseitige Beeinflussung von Mensch und Umwelt.

Das Modul Bekleidung beinhaltet die zeitliche Einordnung verschiedener Pflanzen auf einem Epochenstrahl. Außerdem haben die Teilnehmenden hier verschiedene tierische und pflanzliche Fasern hinsichtlich ihres Aussehens, ihres Geruch und ihrer Haptik verglichen und diese mit Hilfe von Pflanzenfarben eingefärbt. Abschließend diskutierten sie die Bedeutung und Funktion von Kleidung früher und heute.

Auch im Modul Ernährung findet zunächst eine zeitliche Einordnung verschiedener Nutzpflanzen auf einem Epochenstrahl statt. Anschließend haben die Lehrerinnen und Lehrer verkohlte botanische Großreste wie Getreidekörner, Haselnussschalen oder Wildäpfel aus einer Bodenprobe ausgeschlämmt. Diese bestimmten sie dann unter dem Binokular wobei ihnen ein Bestimmungsschlüssel sowie mit dem 3D-Drucker ausgedruckte Modelle von Getreidekörnern als Hilfsmittel zur Verfügung standen. Aus den Ergebnissen zogen sie Rückschlüsse auf die Ernährung der Menschen im Neolithikum.

Das Modul Soziales Miteinander behandelt die Bedeutung und Funktion von Keramik damals und heute sowie die Bedeutung von Keramikfunden für die Archäologie. Aus einer Bodenprobe haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Keramikscherben ausgesiebt. Anhand dieser haben sie anschließend das soziale Miteinander untersucht, da Keramik beispielsweise als Geschenk, als Handelsware, als Raubgut oder auch als Grabbeigabe fungiert hat. Aus Form und Aussehen von Keramik lassen sich außerdem Rückschlüsse auf bestimmte Zeiten oder bestimmte Regionen ziehen.

Neben der Durchführung der unterschiedlichen Module für den Unterricht standen auch ein Besuch des Nordfrieslandmuseums sowie der öffentliche Abendvortrag von Dr. Dennis Wilken, Institut für Geophysik der CAU, auf dem Programm der Summerschool. In dem gut gefüllten Vortragsraum des Museums sprach der Kieler Wissenschaftler über Geophysikalische Untersuchungen im Wattenmeer. Basierend auf vorangegangenen Untersuchungen, historischen Karten, Beschreibungen und Luftaufnahmen wurden seit 2016 in ausgewählten Lokationen um die Hallig Südfall geophysikalische Messungen durchgeführt. Geomagnetische Kartierungen liefern dabei Hinweise auf die Überreste eines mittelalterlichen Deichsystems, aber auch auf ehemalige Warften und Sieltore. Seismische Reflexionsprofile offenbaren die Struktur des Untergrundes unterhalb des Meeresbodens und liefern Hinweise auf die Form, aber insbesondere auch auf die Gefährdung der Kulturspuren Rungholts, welche teilweise von Prielen abgetragen werden.

Über die Summerschool Archäologie
Bei der Summerschool Archäologie handelt es sich um eine gemeinsame Veranstaltung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN), der Kieler Forschungswerkstatt und des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH). Im Rahmen des Projektes LeaP@CAU entwickeln die aufgeführten Partnerinnen und Partner gemeinsam Fortbildungsangebote. Ziel dieser Angebote ist, Lehrkräften Einblick in aktuelle Forschungsthemen zu ermöglichen und sie bei deren Umsetzung im Unterricht zu unterstützen. Um die Stärken der universitären Fachforschung dabei optimal zu nutzen, sind die Angebote thematisch in den Forschungsschwerpunkten der CAU verortet. In diesem Fall basierte die inhaltliche Ausgestaltung auf einer engen Zusammenarbeit mit dem Forschungsschwerpunkt Societal, Environmental and Cultural Change (SECC).

LeaP@CAU wird im Rahmen der gemeinsamen „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von Bund und Ländern aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert.