HSE Summer School 2017 zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Vom 10. bis 14. Juli 2017 trafen sich junge Wissenschaftler und namhafte Fachleute zur Summer School der Heidelberg School of Education (HSE). Im Mittelpunkt stand ein aktuelles Thema der Lehrerbildung: die Verschränkung von Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Bildungswissenschaften.

Die Veranstaltung stand unter dem Leitthema „Zwischen Aufwind und Aufwand: Positionen, Kontroversen und Ziele in der Lehrerbildung“. Durch die Qualitätsoffensive Lehrerbildung (QLB) erfährt das Thema in Gesellschaft und Wissenschaft derzeit einen enormen Auftrieb. Zugleich ist der Weg hin zu einer qualitativ hochwertigen Lehrerbildung für alle Beteiligten mit einem erheblichen Aufwand verbunden.

Förderung der Forschungsorientierung und des transdisziplinären Diskurses

Die HSE sieht eine wichtige Aufgabe in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Hier soll das Fundament gelegt werden, aus der Forschung heraus eine zukunftsfähige Lehrerbildung zu stärken und personell die bevorstehenden Herausforderungen mitzutragen. Den nötigen ‚Aufwind‘ erhielten die ‚young researchers‘ in den während der Summer School angebotenen zwölf Forschungswerkstätten: In ihnen konnten sie sich mit externen Fachleuten aus unterschiedlichen Universitäten über ihr Forschungsmaterial austauschen und ihr wissenschaftliches Profil weiter schärfen. In den intensiven Diskussionen, an denen sich Nachwuchswissenschaftler auch aus anderen Projekten der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung" beteiligten, standen einerseits konkrete Fragen des jeweiligen Forschungsdesigns und der quantitativ bzw. qualitativ empirischen Datenauswertung sowie andererseits thematische Herausforderungen wie die Verschränkung von Fachwissenschaft und Fachdidaktik oder die Ausrichtung auf transkulturelle Perspektiven der Didaktik zur Debatte. Zugleich ging es darum, den transdisziplinären Diskurs über die offenen Fragen und Kontroversen der aktuellen Lehrerbildung voranzutreiben. Zu diesem Zweck wurde die Summer School wie im vorigen Jahr von zwei öffentlichen Wissenschaftsgesprächen gerahmt. In diesen Expertenrunden, den Science Foren I und II, begegneten sich Professorinnen und Professoren in- und ausländischer Hochschulen, vor allem aus anderen QLB-Projekten, und tauschten sich über Chancen und Risiken der Verschränkung von Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Bildungswissenschaften aus.

Science Forum I: Gerhard Härle, Beatrix Busse, Antje Kley, Dorothee Brovelli, Michael Kämper-van den Boogaart, Karl-Heinz Dammer, Jochen Wittbrodt (v.l.n.r.)

Science Forum I: Gerhard Härle, Beatrix Busse, Antje Kley, Dorothee Brovelli, Michael Kämper-van den Boogaart, Karl-Heinz Dammer, Jochen Wittbrodt (v.l.n.r.)

Ingo Kleiber

Die Science Foren dienten der differenzierten wissenschaftlichen Erörterung des Stellenwerts der drei für die Lehrerbildung wesentlichen Komponenten Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Bildungswissenschaften und gingen dem Paradigma der „Verschränkung" dieser Komponenten anhand von Leitfragen auf den Grund. Hierbei stehen sich unterschiedliche Orientierungen gegenüber, die nicht ohne weiteres miteinander zu harmonisieren sind: Auf der einen Seite ist es naheliegend und bildungspolitisch opportun, für die Ausbildung zum Lehrerberuf eine ausgeprägte Professionsorientierung vom ersten Semester an zu fordern und Erziehungs-, Lern- und Praxisaspekte frühzeitig in die universitären Curricula und Fachangebote aufzunehmen. Auf der anderen Seite ist es eine Tatsache, dass die verschiedenen Komponenten und Domänen der Lehrerbildung ein höchst komplexes Geflecht aus oftmals unterschiedlichen, teilweise antagonistischen Fachinhalten, Wissenschafts- und Forschungstraditionen, gegenläufigen Zielperspektiven und Führungsansprüchen darstellen, deren „Verschränkung", wenn sie denn wirklich fruchtbar werden soll, mehr als einer organisationalen Addition von Einzelelementen in den Curricula, sondern tatsächlich eines transdisziplinären Forschungs- und Kommunikationskonzepts bedarf. Die Fragen nach einer „Leitdisziplin" und den Phasen der Lehrerbildung, die hierbei eine wesentliche Rolle spielen, sind bei Weitem nicht durch die politischen Zielperspektiven ausreichend geklärt. In der interdisziplinären Zusammensetzung der Expertenrunden und in der Gegenüberstellung divergenter Sichtweisen boten die Science Foren den Raum für eine gewinnbringende und lebhafte Diskussion, aus der weiterführende Impulse in die Forschungsvorhaben an der HSE und darüber hinaus in Veröffentlichungen einfließen werden.

Den Diskurs am Leben halten – eine Aufgabe der Hochschulen

Wo liegen die Möglichkeiten, wo die Grenzen einer Verschränkung? Was wollen – und können – wir durch sie erreichen? Wie lässt sie sich sinnvoll und

Science Forum II: Gerhard Härle, Anne Sliwka, Jörg Kilian, Alexander Wohnig, Christiane Wienand, Andreas Borowski, Beatrix Busse, Uwe Hericks (v.l.n.r.)

Science Forum II: Gerhard Härle, Anne Sliwka, Jörg Kilian, Alexander Wohnig, Christiane Wienand, Andreas Borowski, Beatrix Busse, Uwe Hericks (v.l.n.r.)

Ingo Kleiber

wissenschaftlich verantwortet in der Praxis realisieren? Die beiden Science Foren zeigten, dass diese und ähnliche Fragen keineswegs erschöpft behandelt sind. Im Gegenteil: Die Debatte um die Verschränkung von Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Bildungswissenschaften ist noch immer höchst lebendig. So waren sich trotz aller Differenzen am Ende die Beteiligten in einem zentralen Punkt einig: Der transdisziplinäre Diskurs muss von allen an der Lehrerbildung beteiligten Wissenschaften gefördert und die Debatte darf weder der (Bildungs-)Politik noch einer einzelnen Disziplin überlassen werden. Ihr genuiner Ort sind vielmehr die Hochschulen mit ihren entsprechenden Fachkompetenzen; von hier müssen die wesentlichen Impulse für eine gewinnbringende Verschränkung und eine zukunftsfähige, forschungsnahe Lehrerbildung ausgehen.