Sprachbildung in allen Fächern – Tagung an der Universität Halle-Wittenberg

Am 15. November 2018 fand an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg die Jahrestagung des Zentrums für Lehrer*innenbildung in Kooperation mit dem Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt (LISA) statt. Plenarvorträge, Workshops und Gesprächsrunden boten den 115 Teilnehmer*innen Gelegenheit, sich über verschiedene Dimensionen des Themas „Sprachbildung in allen Fächern“ zu informieren und diese gemeinsam zu diskutieren.

Teilnehmer der KALEI-Tagung zur Sprachbildung in Halle-Wittenberg

Plenarvorträge, Workshops und Gesprächsrunden boten den Teilnehmer*innen der Tagung Gelegenheit, sich über verschiedene Dimensionen des Themas „Sprachbildung in allen Fächern“ zu informieren und diese gemeinsam zu diskutieren.

© Annett Plonka

von Maxi Kupetz

Fachliches und sprachliches Lernen bedingen sich gegenseitig. Insbesondere in heterogenen Lerngruppen ist durchgängige Sprachbildung essentiell, um Lernerfolg und Teilhabe an Bildung zu ermöglichen. Auf Anregung des halleschen Qualitätsoffensive-Projekts „Kasuistische Lehrerbildung für den inklusiven Unterricht“ (KALEI) wurde mit Vertreter*innen aller drei Phasen eine gemeinsame Tagung konzipiert und durchgeführt. Die Veranstaltung „Sprachbildung in allen Fächern“ hatte das Ziel dafür zu sensibilisieren, dass sprachliche Bildung eine Aufgabe aller Lehrkräfte ist, von der alle Schüler*innen profitieren.

Eröffnet wurde der Tag durch Grußworte von Eva Feußner, Staatssekretärin im Bildungsministerium des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Siegfried Eisenmann, Direktor des Landesinstituts für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Bremer, Direktor des Zentrums für Lehrer*innenbildung (ZLB) sowie Dr. Marie-Theres Müller, Geschäftsführerin des ZLB. Bereits in den einführenden Worten wurde deutlich, dass

Sprache bzw. ein großes sprachliches Repertoire essentiell für das Verstehen von Welt und für das Handeln in der Welt ist.

Prof. Dr. Christoph Schröder bei der KALEI-Tagung zur Sprachbildung in Halle-Wittenberg

Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Christoph Schroeder (Universität Potsdam)

© Annett Plonka

Die beiden Plenarvorträge des Tages führten diesen Gedanken im Hinblick auf Sprachbildung und Bildungssprache im Kontext von Mehrsprachigkeit und kultureller Vielfalt weiter aus. Prof. Dr. Christoph Schroeder (Universität Potsdam) präsentierte in Anlehnung an Maas (2008) ein Registermodell, das sprachliches Handeln im privat-informellen, im öffentlich-informellen und im öffentlich-formalen Raum unterscheidet, und plädierte für eine am Sprachgebrauch orientierte Konzeption von Mehrsprachigkeit (i.S.v. Sprachlichkeiten). Darauf aufbauend stellte er ein Instrument zur Sprachstandserhebung anhand schriftlicher Texte vor, das auf empirisch fundierten Beobachtungen zu Entwicklungsstadien bildungssprachlicher Verwendungsweisen basiert. Jun.-Prof. Dr. Maxi Kupetz (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) fokussierte in Ihrem Vortrag die Dimension der Mündlichkeit im mehrsprachigen Klassenzimmer und plädierte in Anlehnung an Morek/Heller (2012) für ein Konzept von Bildungssprache, das an kommunikativen Praktiken orientiert ist. Die interaktionale Hervorbringung von fachlichem und sprachlichem Lernen im Unterricht ist komplex, aber nicht unsystematisch. Um Lehrhandeln im mehrsprachigen Klassenzimmer zu professionalisieren, bedarf es empirisch fundierten Wissens über eben jene bildungssprachliche Praktiken und der Herausarbeitung impliziter Normerwartungen von Lehrpersonen, die insbesondere Kinder, die in anderen Ländern schulisch sozialisiert wurden, oftmals vor große Herausforderungen stellen.

Teilnehmer der KALEI-Tagung zur Sprachbildung in Halle-Wittenberg

Workshop 3: Naturwissenschaftlicher Sprachunterricht oder sprachlicher Naturwissenschaftsunterricht?

© Annett Plonka

Im Rahmen von Workshops wurden anschließend Wege zu Sprachbildung in allen Fächern aufgezeigt und diskutiert. Die Workshops wurden jeweils von einer Kollegin der MLU und einer Kollegin des LISA angeboten, mit dem Ziel, Forschungs- und Praxisperspektiven zu verbinden. Dabei wurden verschiedene Dimensionen von Sprachbildung in den Blick genommen: Mehrsprachigkeit, Sprachstandsdiagnostik, Sprachbildung im naturwissenschaftlichen Unterricht und Textoptimierung bei Aufgabenstellungen.

Sprachliche Bildung durchdringt als Querschnittsthema mit vielen Facetten alle Bereiche der Lehrer*innenbildung. In diesem Sinne hat die Tagung Lehrer*innen und Fortbildner*innen, Akteure aus den drei Phasen der Lehrer*innenbildung sowie Kolleg*innen aus Bildungswissenschaften, Fachwissenschaften und Fachdidaktiken zusammengebracht. Angeregt wurde die Auseinandersetzung mit der wissenschaftlichen Betrachtung von Sprache(n) und ihrer Entwicklung einerseits und mit konkreten Handlungsoptionen andererseits. Auf diese Weise wurden im Rahmen der Tagung Schlaglichter auf Themen geworfen, die in der 2. Förderphase von KALEI im Schwerpunktbereich „Sprache im Unterricht“ ab Mitte 2019 weiter vertieft und ausgebaut werden.