"Soziale Medien in Bildung und Fremdsprachendidaktik" – neue Ausgabe des heiEDUCATION Journal erschienen

Das neue Themenheft Nr. 5/2020 des heiEDUCATION Journal untersucht das Potenzial sozialer Medien für Lehr-Lernszenarien. Mit einem besonderen Fokus auf der Verschränkung sprachdidaktischer und medienpädagogischer Perspektiven geht es dabei nicht nur um die methodische Anwendung von sozialen Medien in unterschiedlichen Unterrichtssettings, sondern auch um eine Auseinandersetzung mit den für eine kritische Nutzung notwendigen Kompetenzen.

Person mit Tablet in der Hand auf dem ein Online Journal zu sehen ist

Heft 5 des heiEDUCATION Journal untersucht verschiedene Anwendungsszenarien sozialer Netzwerke im (Sprachen-)Unterricht.

© Heidelberg School of Education

Von Corinna Assmann

Das Heft basiert auf der Tagung "Social Networks in Education and Language Science", die im Sommer 2018 im Rahmen der Heidelberg School of Education stattfand. Die Ausgabe versammelt Aufsätze aus mehreren europäischen Ländern, die sowohl die Heterogenität der transdisziplinären Thematik widerspiegeln als auch einen Beitrag zur Internationalisierung des Diskurses leisten. Gemeinsam eröffnen sie eine gleichermaßen theoriegeleitete wie praxisorientierte Diskussion über gelungene Anwendungen sowie Risiken und Grenzen sozialer Medien in didaktischen Kontexten.

Der interdisziplinären Ausrichtung der Autorinnen und Autoren folgend, bietet das Heft eine facettenreiche (wenngleich sicherlich nicht umfas­sende) Behandlung verschiedener Fachrichtungen und Themen.

So zeigt Thomas Strasser etwa, wie auf der Basis didaktischer Konzepte zu Blended-Learning-Kontexten soziale Nachrichtendienste in der englischen Fachdidaktik mobiles Sprachenlernen und -lehren unterstützen können. In seinem Beitrag über soziale Lernplattformen an Hochschulen betrachtet Michael Krause gleichermaßen das Potenzial wie die Schwierigkeiten, die E-Learningformate für die Forschung insbesondere im Feld der Learning Analytics darstellen.

Ausgehend von einem vielversprechenden Pilotprojekt, schlagen Nicola Brocca, Ewa Borowiec und Viviana Masia eine experimentelle Studie vor, die untersuchen soll, wie linguistische Werkzeuge aus dem Bereich der Pragmatik helfen können, implizite Inhalte von Politikerinnen- und Politikertexten in sozialen Netzwerken zu entschlüsseln und so einen kritischen Umgang mit propagandistischen Botschaften auszubilden. Das Projekt mit Fokus auf manipulative linguistische Strategien hebt die Rolle der Sprachwissenschaften hervor, die einen wichtigen Beitrag zur Medien- und Informationskompetenz liefern. Diese linguistische Perspektive vertieft Nina Dumrukcic in ihrer Studie zu multilingualen diskursiven Praktiken in sozialen Netzwerken, die deutlich macht, dass das im Netz zu beobachtende hybride Sprachverhalten eher als Chance für den Unterricht und nicht wie bislang vor allem als Problem angesehen werden sollte.

Vor dem Hintergrund der experimentellen Medienpädagogik demonstrieren Valentina Grion und Stefania Manca, welche Lehren sich auch aus einer gescheiterten Studie ziehen lassen: Die Erfahrung mit Student-Voice an einer italienischen Schule ist Ausgangspunkt genereller Überlegungen zum Einsatz sozialer Netzwerke im schulischen Umfeld, zu deren Potenzial zur Förderung von Partizipationspraktiken sowie zur Verschmelzung von formellen Bildungsbereichen und informellen lebensweltlichen Kontexten von Jugendlichen.

Einblick in die praktische schulische Umsetzung bieten Sven Frankowsky und Wiebke Krohn in ihrem Beitrag über das Pilotprojekt "Onlinegestütztes Selbstorganisiertes Lernen", in dem Digitales und Analoges gewinnbringend ineinandergreifen. Das abschließende Tandeminterview mit zwei Expert*innen aus der Medienwelt (Verena Gonsch, NDR) und Schulpraxis (Cord Santelmann) blickt noch einmal aus allgemeingesellschaftlicher Perspektive auf die Diskussion über die didaktisch ausgerichtete Verwendung sozialer Medien in der Schule und Lehrkräftebildung und rundet so das Heft ab.

Das Journal richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende mit Berufsziel Lehrerin und Lehrer, berufstätige Lehrpersonen, in der Fort- und Weiterbildung Tätige sowie an Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitiker. Es bietet eine Plattform für den interdisziplinären Austausch und fördert den Dialog über die Grenzen der Fächer und Institutionen hinweg.

Das heiEDUCATION Journal ist eine Open-Access-Publikation im Verlag Heidelberg University Publishing und über Link in der rechten Spalte online verfügbar. Ab dem 16. Juli 2020 besteht bei Interesse zusätzlich die Möglichkeit, die Druckversion des Heftes im Buchhandel zu bestellen.