Session 6: Wie wirkt die aktuelle Lehrkräftebildung? Systematisches Monitoring durch längsschnittliche Qualitätssicherung

In drei Vorträgen (Universitäten Duisburg-Essen, Hamburg und Köln) widmete sich die Session dem Thema der Qualitätssicherung in der Wirkung der Lehrkräftebildung. Eröffnet wurde die virtuelle Veranstaltung, an der über 90 Teilnehmende aus dem ganzen Bundesgebiet zugeschaltet waren, gemeinsam von Prof. Dr. Gabriele Kaiser, Universität Hamburg und Prof. Dr. Johannes König, Universität zu Köln. Als Critical Friend diskutierte Prof. Dr. Horst Biedermann von der Pädagogischen Hochschule St. Gallen.

Mitwirkende der Session sind über Kameras zugeschaltet

Mitwirkende der Session sind über Kameras zugeschaltet

© Universität zu Köln

Was war der Anlass für den Workshop?

Viele Maßnahmen der in der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ geförderten Projekte zielen auf die Förderung und Steigerung des Kompetenzerwerbs angehender Lehrkräfte. Vor diesem Hintergrund führen einzelne Projekte Maßnahmen der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung durch. Dieser Workshop hatte zum Ziel, drei ausgewählte Projekte – aus den Standorten Essen, Hamburg und Köln – zu befragen, welche Maßnahmen ergriffen wurden, um über längere Zeiträume Einblicke in die Frage zu erhalten, wie Lehrkräftebildung wirksam ist.

Wie wurde der Workshop durchgeführt?

Nach einer Einführung in die Thematik durch die Moderation wurden von jedem Standort jeweils eine Präsentation zur längsschnittlichen Qualitätssicherung im Kontext des etablierten Monitorings gegeben. Der Workshop wurde dabei begleitet durch Horst Biedermann (Rektor der Pädagogischen Hochschule St. Gallen, Schweiz) als Critical Friend, der die hervorragenden Forschungsarbeiten mit den interessanten Ergebnissen als anregende Grundlage für die anschließenden Diskussionen bezeichnete. Die meisten der insgesamt 92 Workshop-Teilnehmenden waren wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Professoren und Professorinnen, aber auch Vertretungen der zweiten Ausbildungsphase und der Hochschulverwaltung waren anwesend.

Aus Hochschulen im ganzen Bundesgebiet sind Teilnehmende zugeschaltet

Aus Hochschulen im ganzen Bundesgebiet sind Teilnehmende zugeschaltet

© Universität zu Köln

Welche Ergebnisse wurden präsentiert?

Vortrag 1: Sinja Müser, Jens Fleischer und Detlev Leutner (Universität Duisburg-Essen, Projekt ProViel) gingen mit ihrem Vortrag "Dreifacher statt doppelter Praxisschock? Emotionale Erschöpfung bei Lehramtsstudierenden im Verlauf des Praxissemesters“ der Frage nach, ob Lehramtsstudierende bezüglich ihrer emotionalen Erschöpfung im Verlauf ihres Praxissemesters eine (weitere) Form des sogenannten „Praxisschocks“ erleiden. Analysiert wurden die Daten von Studierenden aus Befragungen vor und nach dem Praxissemester. In der untersuchten Stichprobe von mehr als 200 Studierenden stieg die emotionale Erschöpfung zunächst an, nahm jedoch anschließend wieder ab. Ferner zeigte sich, dass das bildungswissenschaftliche Wissen der Studierenden zwar nicht den Anstieg ihrer Erschöpfung verhindern, jedoch dessen Rückgang begünstigen konnte.

Vortrag 2: Jörg Doll, Dennis Meyer und Gabriele Kaiser (Universität Hamburg, Projekt ProfaLe) analysierten längsschnittlich und mithilfe additiver Querschnitte die Entwicklung fachdidaktischen Wissens von Lehramtsstudierenden mit den Fächern Deutsch und Mathematik. Dabei wurden zwei Lehramtstypen einbezogen: Das gymnasiale Lehramt zeigte ein Muster der Wissensentwicklung, das sich als linearen Trend über den gesamten Studienverlauf beschreiben lässt; das Lehramt für die Primar-/Sekundarstufe I zeigte hingegen nach anfänglichen Wissenszuwächsen in den ersten beiden Studienjahren im Anschluss lediglich eine Aufrechterhaltung des bis dahin erworbenen Wissensstandes.

Vortrag 3: Johannes König, Daniela Jäger-Biela und Kristina Gerhard (Universität zu Köln, Projekt ZuS) präsentierten schließlich Ergebnisse aus dem jährlich stattfindenden Monitoring zur "Kölner Lehrer*innenbildung" zum allgemeinen und auf Inklusion bezogenen pädagogischen Wissen der angehenden Lehrkräfte. Mithilfe eines kombinierten Mehrkohorten-Längsschnitts zeigte sich ein kontinuierlicher Kompetenzzuwachs im Bachelor und beim Übergang in den Master, auf den jedoch eine Stagnation des Wissens gegen Ende des Master-Studiums und beim Übergang in die zweite Ausbildungsphase folgte. Die Kompetenzzuwächse waren höher bei Studierenden, die sich während ihres Studiums intensiv mit den bildungswissenschaftlichen Ausbildungsinhalten auseinandergesetzt hatten.


Prof. Dr. Johannes König, Universität zu Köln, Department Erziehungs- und Sozialwissenschaften
Empirische Schulforschung mit dem Schwerpunkt quantitative Methoden, Zukunftsstrategie Lehrer*innenbildung – Leitung des Handlungsfelds Qualitätssicherung
Dr. Daniela Jäger-Biela, Universität zu Köln, Zukunftsstrategie Lehrer*innenbildung – Handlungsfeld Qualitätssicherung
Kristina Gerhard, Universität zu Köln, Zukunftsstrategie Lehrer*innenbildung – Handlungsfeld Qualitätssicherung

Prof. Dr.in Gabriele Kaiser, Universität Hamburg, Fakultät für Erziehungswissenschaft, Didaktik der gesellschaftswissenschaftlichen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer (EW 5), Leitung ProfaLe
Prof. Dr. Jörg Doll, Universität Hamburg, Fakultät für Erziehungswissenschaft, Projektkoordinator ProfaLe
Dennis Meyer, Universität Hamburg, Fakultät für Erziehungswissenschaft, Projekt ProfaLe

Prof. Dr. Dr. h.c. Detlef Leutner, Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Bildungswissenschaften, Institut für Psychologie (Lehrstuhl für Lehr-Lernpsychologie), Projekt ProViel
Dr. Jens Fleischer, Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Bildungswissenschaften, Institut für Psychologie (Lehrstuhl für Lehr-Lernpsychologie), Projekt ProViel
Sinja Müser, Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Bildungswissenschaften, Institut für Psychologie (Lehrstuhl für Lehr-Lernpsychologie), Projekt ProViel

Prof. Dr. Horst Biedermann, Pädagogische Hochschule St. Gallen, Schweiz