Session 5: Diversität und Potenzial (in Kooperation mit der gemeinsamen Initiative von Bund und Ländern "Leistung macht Schule (LemaS)"

Der thematische Fokus des Workshops richtete sich auf die Potenzialförderung (Förderung der Leistungsfähigkeit in einem weiten Sinn), adressierte die individuelle Ebene (Potenziale von Studierenden, Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler) und die strukturelle Ebene der beteiligten Institutionen und Fachgebiete. Fast 40 Teilnehmende diskutierten mit Blick auf heterogenitätsbezogenen Unterricht und alle drei Phasen der Lehrkräftebildung.

Drei Schüler sitzen im Klassenraum. Eine Lehrerin beugt sich zu einem Schüler und zeigt in ein Schulbuch

Potenzialentwicklung auf individueller Ebene bezeichnet das Erkennen und Fördern der Potenziale einzelner Schülerinnen und Schüler, aber auch von Lehramtsstudierenden, von angehenden Lehrpersonen in der 2. Phase und auch von Lehrpersonen im Beruf – unabhängig von Herkunft, familialer, ethnischer und sozialer Herkunft.

© BMBF/Alexandra Roth

Das Thema "Diversität und Potenzial" wurde im Workshop multidimensional, auf mehreren Ebenen und projektübergreifend erörtert. Drei Projekte sind im Rahmen der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" (QLB) verortet, "Leistung macht Schule" (LemaS) wird in einer weiteren BMBF-Programmlinie gefördert. Gemeinsamer Gegenstand ist die Verortung der Potenzialförderung mit Blick auf heterogenitätsbezogenen Unterricht und alle drei Phasen der Lehrkräftebildung.

Prof. Dr. Kristina Peuschel von der Universität Augsburg erörterte dazu eingangs die Themen Sprachförderung und Mehrsprachigkeit im QLB-Projekt "LeHet – Förderung der Lehrerprofessionalität im Umgang mit Heterogenität". Hier steht die individuelle Mehrsprachigkeit von Lehramtsstudierenden als Potenzial für das Unterrichten in sprachlich heterogenen Klassen im Vordergrund und Möglichkeiten der Bewusstmachung, des Sprachenvergleichs und der Wertschätzung der Mehrsprachigkeit der Schülerinnen und Schüler als Potenzial.

Prof. Dr. Christian Fischer, Universität Münster, und Prof. Dr. Gabriele Weigand, Pädagogische Hochschule Karlsruhe, nahmen einen berufsbiografischen und institutionsbezogen Fokus auf das Thema "Potenzial und Diversität" ein. Während in LemaS die Professionalisierung von Lehrpersonen in der 3. Phase und die Schule als begabungsfördernde Institution im Zentrum stehen, geht es im QLB-Projekt "Dealing with Diversity (DwD)" um den kompetenten Umgang mit Heterogenität durch reflektierte Praxiserfahrungen bereits während der Studienphase. Beide Projekte zielen letztlich auf das diversitätssensible Erkennen und Fördern der Potenziale und Leistungsstärken von Schülerinnen und Schülern.
Im Workshop wurde insbesondere die Frage diskutiert, welche Synergien sich aus dem Zusammenwirken von QLB-Projekten wie "Dealing with Diversity" und LemaS für eine potenzialfördernde professionelle Haltung von (angehenden) Lehrpersonen ergeben und welche Auswirkungen derartige Projekte auf schulische Strukturen und Kulturen haben können. Zudem wurde auch die Bedeutung (das Potenzial) der 2. Phase der Lehrkräftebildung als sozialisierende Instanz für die Professionalisierung von Lehrpersonen erörtert und deren Einbindung in ein Gesamtkonzept innovativer pädagogischer und professionsbezogener Projekte als notwendig diskutiert.

Dr. Günther Wolfswinkler, Koordinator des Projekts "Professionalisierung für Vielfalt" (ProViel) an der Universität Duisburg-Essen nahm die Thematik phasen- und disziplinenübergreifend in den Blick. Potenzialförderung setzt in dem Ansatz beim Potenzial der Disziplinen und Phasen an, Kompetenzen für die Herstellung von Bildungsgerechtigkeit als Bildungs- und Erziehungsauftrag mulitprofessioneller Teams und für eine diskriminierungskritische Didaktik, Diagnose und Förderung als Einheit zu vermitteln. Ziel ist die reflektierte Professionsentwicklung angehender Lehrkräfte zur Potenzialförderung von Schülerinnen und Schülern in der Metropolregion Ruhr.

Im Workshop wurde Konsens hergestellt, dass komplexe, inklusionsbezogene Ausbildungsmodelle notwendigerweise konkurrierende Ansätze aufweisen müssen. Erörtert wurden unterschiedliche Strategien, ein Mindestmaß an Kohärenz herzustellen ohne bestehende Widersprüche künstlich einzuebnen.

 

Prof. Dr. Christian Fischer, Professur für Erziehungswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
Prof. Dr. Kristina Peuschel, Ordinaria Deutsch als Zweit- und Fremdsprache und seine Didaktik an der Universität Augsburg
Prof. Dr. Gabriele Weigand, Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe und Koordinatorin des LemaS-Forschungsverbundes
Dr. Günther Wolfswinkler, Koordinator des Projekts "Professionalisierung für Vielfalt " (ProViel) an der Universität Duisburg-Essen