Projektvorstellung: Wie die Freiburger School of Education FACE und ihre Kooperationspartner die Fortbildung von Lehrkräften gestalten

Am Standort Freiburg arbeiten alle Institutionen der Lehrkräftebildung eng zusammen, so auch in der Weiterqualifizierung. Ziel ist, ein hohes Maß an Anschlussfähigkeit von Wissen aus dem Studium in die berufliche Praxis zu erreichen und die lebenslange professionelle Weiterentwicklung der Lehrkräfte zu unterstützen. Die vorgestellten Formate zeigen, wie das Zusammenspiel aller Kooperationspartner aussehen kann und welche Aspekte für das Gelingen von Bedeutung sind.

Das Leitungstandem des Handlungsfeldes Prof. Dr. Lars Holzäpfel (links) und Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck (rechts) bei der Unterzeichnung des Hochschulpartnerschulvertrages mit der Kastelbergschule Waldkirch


Die School of Education FACE arbeitet eng mit den Schulen, den Staatlichen Seminaren für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte sowie den Schulbehörden zusammen (im Bild: Das Leitungstandem des  Handlungsfeldes "Praxisvernetzung und Weiterbildung" Prof. Dr. Lars Holzäpfel (links) und Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck (rechts) bei der Unterzeichnung des Hochschulpartnerschulvertrages mit dem Schulleiter Manfred Kasten (3.v.l.) und dem Ausbildungslehrer Christian Baier (2.v.l.) der Kastelbergschule Waldkirch.)

© School of Education FACE

Die Zusammenarbeit im Handlungsfeld Praxisvernetzung und Weiterbildung in der School of Education FACE – einer gemeinsamen Einrichtung der Albert-Ludwigs-Universität, der Pädagogischen Hochschule und der Hochschule für Musik Freiburg – ist gekennzeichnet durch Partizipation und Ko-Konstruktion im Sinne eines multiperspektivischen Austausches und gemeinsamen Umsetzens von Vorhaben. Auch beim Matching von Fortbildungsbedarf, Referentinnen und Referenten und der strukturellen Unterstützung in Form von gegenseitigem Teilen von Ressourcen kommt den partizipativ ausgerichteten Elementen eine herausgehobene Bedeutung zu.

Erfolgskriterien und Rolle der Hochschulen

Die Erfahrung am Standort Freiburg zeigt, dass gute Zusammenarbeit mit der Praxis vor allem auf Begegnung auf Augenhöhe basiert. Es geht darum, nachhaltige Systemkenntnis voneinander zu gewinnen. Das bedeutet, zu verstehen, wie die Welt der beteiligten Institutionen "funktioniert": Hochschulen, Schulen, Schulämter, Seminare, Behörden – was sind die jeweiligen Stärken und Schwächen, Herausforderungen und Ziele? Es bedeutet auch, persönlich in Kontakt zu sein – und zu bleiben. Dies ist ein kontinuierlicher Prozess.

Die Rolle der Hochschulen in der Lehrkräftefortbildung kennzeichnet der Wissenstransfer: Forschungsergebnisse aus Fachwissenschaften, Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften professionsorientiert in Fortbildungen einzubeziehen. Erkenntnisse aus der Lehr-Lernforschung werden zu praktischem Know-How für das tägliche Unterrichten. Dies stellt eine Herausforderung dar, da wissenschaftliche Ergebnisse aus der Perspektive von Lehrkräften nicht automatisch Anwendungsbezug erkennen lassen. Diesen Bogen der "Übersetzung" schlagen die Fortbildnerinnen und Fortbildner gemeinsam mit den anwesenden Lehrkräften, die im Hochschulkontext die Möglichkeit haben, ihren Wissenshintergrund zu vertiefen und sich weiterzuentwickeln.

Die School of Education FACE bietet eine Auswahl an fachwissenschaftlichen, fachdidaktischen und bildungswissenschaftlichen Lehrkräftefortbildungen, die sich an Ergebnissen der Lehrkräftefortbildungsforschung orientieren. Sie zeichnen sich aus durch einen zeitlichen Mindestumfang, Bedarfs-, Teilnehmenden- und Kompetenzorientierung sowie Reflektionsförderung. Einige Angebote fördern als kombinierte Veranstaltung mit Studierenden und Lehrkräften gegenseitige Impulsgebung. Referierende sind sowohl Externe als auch Hochschullehrende. Das "Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung" (ZSL) kommuniziert die Angebote an die Schulen.

Es wäre klasse, wenn die FACE-Lehrkräfte-Fortbildungen beibehalten würden. Der wissenschaftliche Schwerpunkt ist ein Alleinstellungsmerkmal, das man sonst nicht in dieser Weise bekommt.

Teilnehmende einer Lehrkräfte-Fortbildung, aus der Evaluation (2018)

Den Bedingungen des "Gesetzes über die Pädagogischen Hochschulen Baden-Württemberg" geschuldet müssen sich die Hochschulen auf die Schulung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren konzentrieren, die auf der Basis des erworbenen Wissens andere Lehrerinnen und Lehrer beraten und unterstützen. Ein Beispiel hierfür ist die Fortbildung der Lehrkräfte, die im Rahmen der Praxisphasen Studierende im Integrierten Semesterpraktikum (ISP) betreuen. Die Verantwortung für diese Fortbildung wurde vom Kultusministerium auf die Pädagogischen Hochschulen (PH) übertragen, sie wird vom Zentrum für schulpraktische Studien (ZfS) realisiert. Ein weiteres Beispiel sind die von Regierungspräsidium, Schulämtern und PH gemeinsam bedarfsorientiert entwickelten "Qualitätszirkel für Fachberater*innen Unterricht", in denen sich nach dem partizipativen Prinzip Fachberaterinnen und Fachberater als Expertinnen und Experten in den Diskurs einbringen.

Personen sitzen in einem Stuhlkreis zusammen

Die School of Education bringt die Akteure der Lehrkräftebildung ins Gespräch z.B. in der Fishbowl-Diskussion bei der Tagung "Wieviel Wissenschaft braucht die Lehrerfortbildung? Ko-Konstruktion und Kooperation" 2019.

© School of Education FACE

Ein drittes Arbeitsfeld der Hochschulen ist die Lehrkräftefortbildung als Forschungsgegenstand. So zog beispielsweise die 2019 gemeinsam mit den Universitäten Kassel und Regensburg veranstaltete Tagung "Wieviel Wissenschaft braucht die Lehrerfortbildung? Ko-Konstruktion und Kooperation" viele Verantwortliche der Lehrkräftefortbildung nach Freiburg. Hochschulmitglieder und schulische Partner arbeiten bei einigen Forschungsvorhaben zusammen. Dafür wurde gemeinsam mit den Hochschulpartnerschulen ein Code of Conduct entwickelt, der Leitlinien der Partizipation, Ko-Konstruktion und des Auslotens gemeinsamer Interessensfelder festlegt.

Wenn wir in der Schule erfolgreich arbeiten und Kinder unterstützen wollen, dann brauchen wir diese Reflexionstiefe. Wir brauchen den Kontakt zur Hochschule, wir brauchen den Kontakt zur Theorie, um wirklich fundiert Unterstützung anbieten zu können. Als Lehrkraft in den Dialog mit Wissenschaftler*innen zu treten ist eine total spannende Geschichte.

Dr. Wolfgang Zink, Schulamtsdirektor, Staatliches Schulamt Offenburg (2016)

Veranstaltungsformate und Vernetzung

Das Erfolgskriterium der Partizipation steht auch hinter den Treffen der "Community of Practice", dem zentralen Vernetzungsraum für einen Dialog zwischen Schulen, Hochschulen, Staatlichen Seminaren und dem Regierungspräsidium. Mit derselben ko-konstruktiven Haltung wurden gemeinsame Planungstreffen für die Entwicklung von Fortbildungstagungen realisiert, zum Beispiel für die jährliche Fortbildungstagung "Mathe für alle", für die "Praxisphasentage" und die neu aufgesetzte Tagung "Deutsch für alle". Die Zusammenarbeit im Projekt wird durch Professionelle Lerngemeinschaften (PLG) vertieft, in denen Lehrkräfte langfristig und in gleichbleibender Zusammensetzung gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern thematisch arbeiten.

Ringvorlesung mit Prof.‘in Dr.‘in Tina Hascher und Jessica Ohletz

Angestrebt wird der Austausch von Forschung und Praxis auf Augenhöhe bei der Ringvorlesung.
(Im Bild: Referentin Prof.‘in Dr.‘in Tina Hascher, Universität Bern (rechts), und Diskutantin Jessica Ohletz, Neulinden-Schule Ihringen (links) 2019)

© School of Education FACE

Ein beliebtes Kooperationsformat ist das Kaskadenmodell des Freiburger Mentoringprogramms. Dabei tauschen sich Studierende der Universität aus höheren Semestern mit Lehrkräften aus und geben in einem zweiten Schritt ihre Erfahrungen an Lehramtsstudierende am Studienbeginn weiter. Einige Lehrkräfte bieten zudem Workshops für die Studierenden zu Themen wie Unterrichtsführung, Mobbing sowie Körpersprache und Auftreten an. Ein niedrigschwelliges Angebot ist die jährliche Ringvorlesung mit Impulsen aus der Forschung für Schule und Unterricht, bei der im dritten Durchlauf die Referierenden durch Diskutanten aus der Praxis begleitet wurden. Die Evaluation zeigte, dass dabei noch nicht wirklich Augenhöhe erlebt wurde – ein wichtiger Hinweis zur Weiterentwicklung.

Die Basis der Kooperation mit Schulen bildet das Schulnetzwerk mit derzeit elf Hochschulpartnerschulen, die – zusätzlich zu den 57 im Semesterpraktikum kooperierenden Schulen – in Forschungsprojekten, Fortbildung und im Mentoring mit den Hochschulen zusammenarbeiten. In diesem Rahmen erfolgte auch ein Matching zwischen Fortbildungsbedarf und Referierenden bei der Ausrichtung pädagogischer Tage und für weitere Schulen geöffneter Inhouse-Schulungen. Auch für die Seminare für Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte wurde ein solches Matching bereits durchgeführt.

Bedarfe und Rahmenbedingungen

Bedarfe wurden ko-konstruktiv im Sinne des Einbezugs der Praxis- und der Wissenschaftsperspektive ermittelt. Zum einen wurden durch Stakeholder-Interviews und im Rahmen einer Masterarbeit Bedarfe erhoben und mit Ergebnissen aus bestehenden Bedarfsstudien kombiniert. Die bei Lehrkräften gefragten Themen reichen von der Binnendifferenzierung über den Umgang mit Konflikten bis zur Kombination aus fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Inhalten. Weiterhin stellten die Hochschulen auf Basis von Forschungsergebnissen Bedarfe fest, deren Notwendigkeit oder Sinn den Schulen noch gar nicht bewusst sein konnte – weil deren Potenzial erst aufgedeckt wurde. Diese beiden Sichtweisen sinnstiftend und mit Offenheit für das Gegenüber zu verbinden ist zentral für eine gelingende Kooperation.

Bezüglich der Rahmenbedingungen nennen Lehrkräfte mehrheitlich folgende Bedürfnisse: Raum für Fortbildung durch Freistellung, naher Veranstaltungsort oder Inhouse-Schulung, Erfahrungswissen der Referierenden, konkreter Nutzen für den Unterricht, soziale Kontakte und nur bedingt E-Learning-Anteile. Sie wünschen sich aufbereitete Materialien, Reflexion der Inhalte, Bezug auf Bedürfnisse der Teilnehmenden und Praxisbeispiele. Zeitlich ungünstig sind Anfang und Ende des Schuljahres und es unterscheiden sich tendenziell zwei Gruppen: Lehrkräfte, welche Samstage und Ferien und welche, die die Schulzeit bevorzugen.

Die in Freiburg realisierten Veranstaltungen bilden eine breite Palette an Formaten ab. Je nach Schwerpunkt und Präferenzen sind längerfristige und verbindlichere oder kürzere und niedrigschwellige Angebote verfügbar. Halbtages-, Tages- und abendliche Vortragsformate sind ebenso darunter wie Inhouse-Angebote und Blended-Learning-Anteile. In jedem Format ist explizit Raum für Austausch.  
 
Die Vielzahl all dieser Begegnungen ist der Puls, welcher die Vernetzung lebendig sein lässt.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Die Vernetzung in Freiburg sehe ich so weit gediehen, dass eine Vision, die einige von uns schon vor Jahren hatten, greifbar wird: eine gemeinsame Einrichtung aller Akteure der Lehrkräftefortbildung am Standort Freiburg, die über die Institutionsgrenzen hinausgeht und die Konzepte mit Qualitätsstandards entwickelt, abstimmt und anbietet – als Pilot für eine Landesstrategie.

Dr. Patrick Blumschein, Leiter des Zentrums für Lehrkräftefortbildung ZELF der PH (2020)


Der Beitrag wurde verfasst vom Team "Praxisvernetzung und Weiterbildung" der School of Education FACE in Freiburg: Beate Epting und Dr. Martina von Gehlen (Koordinatorinnen), Prof. Dr. Lars Holzäpfel und Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck (Leitungstandem), Dr. Patrick Blumschein (Assoziierter).