Projektvorstellung: Das "heiEDUCATION Journal" – Ein transdisziplinäres Forum für die forschungsorientierte Lehrkräftebildung

Wie können fachwissenschaftliche und fachdidaktische Diskurse besser miteinander verbunden werden? Inwiefern bietet der Austausch über Disziplingrenzen hinweg neue Einsichten für die Forschung zur Lehrerbildung? Seit 2018 widmet sich das "heiEDUCATION Journal – Transdisziplinäre Studien zur Lehrerbildung" in mindestens zwei Ausgaben pro Jahr diesen Fragen.

eine Frau betrachtet einem Bildschirm; © Heidelberg School of Education

Das heiEDUCATION Journal bietet ein Forum für das vielfältige Spektrum der forschungsorientierten Lehrkräftebildung und ist als Open-Access Online-Zeitschrift frei im Internet verfügbar.

© Heidelberg School of Education

Von Corinna Assmann

Als Open Access Online-Zeitschrift bietet das heiEDUCATION Journal ein Forum für das vielfältige Spektrum der forschungsorientierten Lehrkräftebildung und greift aktuelle und relevante Themen aus diesem Bereich auf. Zu Wort kommen sowohl theoretisch ansetzende wie empirisch ausgerichtete Studien, aber auch praxisbezogene und experimentelle Beiträge. Zentrales Anliegen ist der Austausch zwischen fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Perspektiven sowie über Disziplingrenzen hinweg.

2017 von dem damaligen Direktorium der Heidelberg School of Education (HSE), Professorin Dr. Beatrix Busse und Professor Dr. Gerhard Härle als Herausgeberteam gegründet und 2018 zum ersten Mal erschienen, geht das heiEDUCATION Journal nun in das dritte Jahr. Sowohl der kontinuierliche Fluss an Beitragseinreichungen wie auch die von Beginn an hohen Download-Zahlen belegen ein hohes Interesse an dem Format.

Integrierende und innovierende Akzente für die Lehrkräftebildung

Die Gründung der Zeitschrift geht im Kern auf das zentrale Anliegen zurück, im Diskurs der Lehrkräftebildung einen integrierenden und zugleich innovierenden Akzent zu setzen. Angesichts einer Vielzahl von Veränderungen, nicht zuletzt der Gründung und Neuaufstellung von Einrichtungen der Lehrkräftebildung, bietet das Journal einen Raum des Austausches zwischen Einrichtungen, Einzelprojekten und Regionen. Darüber hinaus soll ein neuer Blick auf die Lehrerbildung als vereinigendes Thema geworfen werden. Dabei liegen die kommunikativen Herausforderungen auf der Hand: In der Lehrerinnen- und Lehrerbildung wirken unterschiedlichste Fachdisziplinen mit immer komplexeren, zunehmend professionalisierten und spezialisierten Binnenlogiken mit. Zugleich stellt sich immer dringlicher die Frage, wie angesichts dieser Dynamiken das jeweils produzierte Wissen Eingang in Bildungsprozesse finden kann und soll. Zwischen (ausdifferenzierten) fachwissenschaftlichen Diskursen und solchen der Fachdidaktik herrscht oft Schweigen oder ein Gefühl der Ratlosigkeit und Überforderung. Die Bildungswissenschaften spiegeln diese Spannung zwischen Ausdifferenzierung und Vermittlungsauftrag noch einmal intern. Zugleich werden Wissenschaft und Bildung – nicht zuletzt auch Schulen – von gesellschaftlicher Seite in einen regelrechten Kampf um die Autorität von Wissen hineingezogen. Statt sich angesichts dieser Herausforderungen in die Nische der eigenen Diskursgemeinschaft zurückzuziehen, verfolgt das Journal den Ansatz, diese explizit zu adressieren und die kommunikative Öffnung zu wagen.    

Mit diesem Anspruch trägt das heiEDUCATION Journal das Innovationspotenzial, das sich aus der breit aufgestellten Neuausrichtung der Lehrkräftebildung in den letzten Jahren ziehen lässt, in den wissenschaftlichen Diskurs. Innerhalb der bestehenden Publikationslandschaft im Bereich der Lehrerinnen- und Lehrerbildung, die eher deren Vielgliedrigkeit abbildet und verstärkt als sie zu überwinden, versteht sich das Journal als Vorstoß hin zu einem transdisziplinären, aber auch domänen- und phasenübergreifenden Dialog, der Theorie und Praxis, Wissenschaft und Beruf verbindet.

Innerhalb der bestehenden Publikationslandschaft im Bereich der Lehrerinnen- und Lehrerbildung, die eher deren Vielgliedrigkeit abbildet und verstärkt als sie zu überwinden, versteht sich das Journal als Vorstoß hin zu einem transdisziplinären, aber auch domänen- und phasenübergreifenden Dialog, der Theorie und Praxis, Wissenschaft und Beruf verbindet.

Dr. Corinna Assmann

Ausrichtung des heiEDUCATION Journal im Sinne einer forschungsorientierten Lehrkräftebildung

Wie im Titel angedeutet, geht die Zeitschrift in ihrer Entstehung aus dem Wirken an der Heidelberg School of Education und dem an ihr angesiedelten Projekt heiEDUCATION hervor und trägt damit einerseits zu der Verortung und Sichtbarkeit der Lehrerbildung am Standort Heidelberg bei. Auf der Grundlage des wissenschaftlichen Netzwerkes, das die HSE in Form von fünf fächeraffinen heiEDUCATION Clustern etabliert hat, trägt die Zeitschrift den Gedanken einer forschungsorientierten Lehrkräftebildung fort. Dabei bietet das Journal eine Plattform, um den wissenschaftlichen Dialog zu bündeln und zu verstetigen und ermöglicht dessen Nachwirken in Lehre und Forschung. Das zeigen auch die bisher erschienenen und in Vorbereitung befindlichen Ausgaben, von denen viele ihre zentralen Impulse, Themen, Autorinnen und Autoren aus Forschungsprojekten, Werkstätten oder Tagungen an der HSE ziehen. Die Zeitschrift bietet hier die Chance, den Resonanzraum zu weiten, in dem die drängenden Fragen und Herausforderungen der Forschung und Lehre gedacht und diskutiert werden.

In diesem Sinne versteht sich das heiEDUCATION Journal auf der anderen Seite als überregionales Austauschforum, in das die diversen Lehrkräftebildungsprojekte aus Bund und Ländern ihre Ergebnisse, Fragen oder Konzepte vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Ausrichtungen, Schwerpunkte und Expertisen einbringen und zur Diskussion stellen. Entsprechend sind in den bisherigen Ausgaben zahlreiche, im Rahmen der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" (QLB) geförderten Projekte und Hochschulen von Kiel bis Konstanz mit Beiträgen vertreten. Das Journal blickt außerdem ganz bewusst über den nationalen Tellerrand hinaus und bezieht internationale Perspektiven mit ein, wofür die zweisprachige Orientierung der Zeitschrift auf Deutsch und Englisch die Voraussetzung bietet. In ihrer engen Verknüpfung mit gesellschaftlichen Themen und Fragen unserer Zeit kann die Lehrkräftebildung von einer solchen Öffnung des Diskurses über Landesgrenzen ebenso wie Disziplin- und Domänengrenzen hinweg nur profitieren. Das anonyme Peer-Review-Verfahren dient der wissenschaftlichen Qualitätssicherung und verstärkt den fachlichen Austausch, indem es nationale und internationale Fachexpertinnen und -experten in die Entstehung der Beiträge einbezieht, die diese auf die Einhaltung von Forschungsstandards, Aktualität und Relevanz hin begutachten.

In ihrer engen Verknüpfung mit gesellschaftlichen Themen und Fragen unserer Zeit kann die Lehrkräftebildung von einer solchen Öffnung des Diskurses über Landesgrenzen ebenso wie Disziplin- und Domänengrenzen hinweg nur profitieren.

Dr. Corinna Assmann

Rückschau und Ausblick – Raum für transdisziplinäre Kommunikation, wissenschaftstheoretische Kontroversen und Theorie-Praxis-Spannungen

Die ersten vier Ausgaben des heiEDUCATION Journal bilden beide Seiten dieser Ausrichtung ab: Auf offenen Ausschreibungen basierende Hefte mit forschungsaktuellen Einzelbeiträgen alternieren mit Themenheften, die auf Veranstaltungen und Forschungsprojekte der HSE zurückgehen. Da kontinuierlich neue Manuskripteinreichungen in der Redaktion eingehen, sind auch die Themenhefte nicht in sich geschlossen, sondern werden, sofern es sich inhaltlich anbietet, durch passende Beiträge ergänzt und gewinnen so eine weitere Dimension. Die inhaltliche Fokussierung der verschiedenen Hefte auf ein spezifisches Thema oder einen Aspekt der Lehrkräftebildung schafft den Rahmen, innerhalb dessen Beiträge aus durchaus sehr unterschiedlichen Richtungen zusammenkommen, die zeigen, wie vielfältig die Positionen und Akteure des Diskurses sind. Die thematische Bandbreite der Artikel reicht von empirischen Studien unter Lehramtsstudierenden oder an Schulen über größer angelegte Unterrichts-/Seminarkonzepte hin zu programmatischen Überlegungen zu Grundsatzfragen der Lehrkräftebildung an Hochschulen und übergeordneten Aspekten des Zusammenhangs von Bildung, Individuum und Gesellschaft. Die Diversität der fachlichen und wissenschaftlichen Hintergründe der Autorinnen und Autoren verdeutlicht die Einbettung der Lehrkräftebildung in andere beziehungsweise größere Hochschulzusammenhänge, wissenschaftliche Forschungskontexte oder Gesellschaftsthemen.

Bei aller Vielfalt lassen sich aus den ersten Heften jedoch bereits auch wiederkehrende Themenkomplexe und Schwerpunkte herauslesen, an denen sich ein besonderes Interesse der forschungsorientierten Lehrkräftebildung festmachen lässt. Dazu gehören die Inklusionsorientierung als professionenübergreifendes Thema, das Verhältnis Fachwissenschaft/Fachdidaktik aus unterschiedlicher Fächerperspektive ebenso wie in interdisziplinärer Betrachtung, Aspekte der Theorie-Praxis-Beziehung, Ansätze des multiprofessionellen Arbeitens oder auch das Themenfeld Professionalisierung.

So lässt sich mit Blick auf die ersten Jahre zusammenfassen, dass das Journal erfolgreich dem Anspruch Rechnung trägt, Offenheit für unterschiedliche Themen der (internationalen) Lehrkräftebildung zu vertreten und der transdisziplinären Kommunikation, auch im Sinne wissenschaftstheoretischer Kontroversen oder Theorie-Praxis-Spannungen, einen Raum zu schaffen. Dafür stehen exemplarisch die Journal-spezifischen Rubriken "Experiment" und "Gespräch", die zu einem offenen Austausch von Meinungen, zur Diskussion anwendungsbezogener Konzepte und zur Kommunikation über Fächer und Institutionen hinweg einladen.


Dr. Corinna Assmann ist Projektmitarbeiterin für wissenschaftliche Kommunikation und Redaktion an der Heidelberg School of Education.