Online referieren, interpretieren und diskutieren. Notizen zur Tagungswerkstatt "Inklusion und Kooperation. Fallverstehen in der Lehrer*innenbildung" an der Leibniz Universität Hannover

Die Online-Tagungswerkstatt widmete sich aktuellen Schulentwicklungsprozessen aus qualitativ-rekonstruktiver Forschungsperspektive. Vom 21. bis 23. September 2020 wurde der Frage nachgegangen, wie Inklusion und Kooperation im Rahmen von (seminaristischer) Fallarbeit reflektiert werden. Dabei wurde die Bandbreite einer kasuistischen Lehrkräftebildung in und außerhalb der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" deutlich.

Birgit Lütje-Klose während ihres Vortrags, synchron übertragen durch das Online-Konferenzsystem Webex

Birgit Lütje-Klose während ihres Vortrags, synchron übertragen durch das Online-Konferenzsystem Webex

© Christian Schröder

Von Sarah Dannemann, Julia Labede und Tjark Neugebauer

Pandemiebedingt wurde der ursprünglich in Präsenz geplante Folgeworkshop der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" zum Thema "Inklusion und Kooperation. Fallverstehen in der Lehrer*innenbildung" in Form einer dreitägigen Online-Veranstaltung gestaltet. Ausgerichtet wurde diese im Rahmen des disziplinübergreifenden Projekts "Theoria cum praxi. Förderung von Reflektierter Handlungsfähigkeit als Leibniz-Prinzip der Lehrerbildung (kurz: Leibniz Prinzip)" durch die Leibniz Universität Hannover. Den Teilnehmenden wurde über das E-Learning-System der Universität eine gemeinsame Austauschplattform bereitgestellt. Bei Bedarf wurde diese um die Nutzung eines weiteren Online-Konferenzsystems erweitert. Trotz der punktuell auftretenden technischen Herausforderungen war hierdurch ein Austausch von Präsentationen und Arbeitsmaterialien sowie die Diskussion aktueller Forschungsprojekte im Kontext von Inklusion und Kooperation möglich.

An jedem Tag stand ein thematischer Schwerpunkt im Zentrum, der über einleitende Keynotes, Themenworkshops und Austauschforen unterschiedliche Betrachtung fand. In den Themenworkshops wurden qualitativ-rekonstruktive Forschungsprojekte vorgestellt und Datenmaterialien gemeinsam interpretiert. Die Austauschforen boten Raum zur intensiven Auseinandersetzung mit Lehrforschungs- und Kooperationskonzepten im Rahmen der Lehrkräftebildung.

Die am ersten Tag im Vortrag verfolgte Frage nach den "Vorzüge[n], Limitationen und Zumutungen einer kasuistischen Lehrer*innenbildung" durch Andreas Wernet von der Leibniz Universität Hannover (LUH) eröffnete die Diskussion zu Möglichkeiten und Grenzen einer forschungsbasierten Kasuistik. Qualitative Forschungsmethoden wurden in den darauffolgenden Methodenworkshops zur Dokumentarischen Methode (Matthias Martens, Universität zu Köln), zur Objektiven Hermeneutik (Thomas Wenzl, LUH) und zur Sequenzanalytischen Habitusrekonstruktion (Rolf-Torsten Kramer, Universität Halle-Wittenberg) vorgestellt und am Material von Teilnehmenden erprobt. Einen Ausblick auf den nächsten Tag lieferte die Vorstellung eines im Rahmen der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" geförderten Kooperationskonzeptes.

Am zweiten Tag stand das Thema Kooperation im Fokus, das Birgit Lütje-Klose von der Universität Bielefeld "als Schlüssel zur Gestaltung inklusiver Schulen" thematisierte. In den darauffolgenden Methodenworkshops und Austauschforen wurden Inklusion und Kooperation mit Blick auf die schulische und seminaristische Praxis sowie die jeweiligen Bedeutungszuschreibungen durch Studierende fokussiert.

Am letzten Tag lag der inhaltliche Fokus auf "Praxisphasen". Claudia Schomaker und Rolf Werning (beide LUH) verbanden in ihrer Keynote mit dem Thema "Kooperation in inklusiven Praxisphasen" sonderpädagogische und sachunterrichtsdidaktische Perspektiven. Passend hierzu wurde im Austauschforum über die Vorzüge, aber auch die Schwierigkeiten bei der Initiierung lehramtsübergreifender Tandempraktika referiert. Die Themenworkshops ergänzten die Perspektiven um eine diskursanalytische sowie fachdidaktische Betrachtung, in der jeweils wieder die Rezeptionsweisen Studierender im Mittelpunkt standen.  

Den Abschluss der Tagung bildete ein die Tagungswerkstatt selbst zusammenfassender Kommentar von Mirja Silkenbeumer (Universität Frankfurt) und Saskia Bender (Universität Bielefeld). Hierbei wurde deutlich: Unterschiedliche Positionen und Verständnisse von fallbezogener universitärer Lehre sind mitunter schwer übereinzubringen, sie können aber einen konstruktiven und gewinnbringenden Diskurs über Bedeutungen und Zielsetzungen einer seminaristischen Arbeit am Fall initiieren.