Neue Publikation: "Open Educational Resources (OER) als Herausforderung für Lehramtsausbildung und Schulpraxis"

Der Band "Open Educational Resources (OER) im Lichte des Augsburger Analyse- und Evaluationsrasters (AAER)" wurde jetzt vom Augsburger LeHet-Projekt veröffentlicht. Er enthält interdisziplinäre kritische Analysen von "Open Educational Ressources" und gibt einen Überblick über den Forschungsstand, die rechtlichen Grundlagen sowie zentrale Plattformen. Außerdem werden Qualitätsanalysen für den Fachunterricht fokussiert.

Prof. Matthes liest im Band „Open Educational Resources (OER) im Lichte des Augsburger Analyse- und Evaluationsrasters (AAER)“; © Alexandra von Proff

Prof. Dr. Eva Matthes liest im Band "Open Educational Resources (OER) im Lichte des Augsburger Analyse- und Evaluationsrasters (AAER)"

© Alexandra von Proff

Open Educational Resources (OER) sind in aller Munde, aber die Erforschung derselben steht erst am Anfang. Der vorliegende Band stellt sich dem Anliegen, diese Lücke zu füllen. Lehrkräfte arbeiten in ihrem Unterricht zunehmend mit OER; deshalb ist es unverzichtbar, diese offenen Unterrichtsmaterialien auch zum Thema in allen Phasen der Lehramtsausbildung zu machen. Zentrales Ziel des neuen Bandes ist es, den professionellen Umgang von Lehramtsstudierenden und Lehrkräften mit OER zu fördern und den Austausch über OER zwischen Universität und Bildungspraxis voranzutreiben.

Mit OER wird häufig ein hoher pädagogisch-didaktischer Anspruch verbunden; so sollen zum Beispiel die freie Zugänglichkeit und die Adaptivität ein individualisiertes Lehren und Lernen ermöglichen. Doch wie wird die Qualität von OER garantiert, da diese ja keine staatlichen Zulassungsverfahren durchlaufen? Die (angehenden) Lehrkräfte sind in dieser Hinsicht besonders gefordert, da sie eine kriteriengeleitete Auswahl treffen müssen. Hierzu sind Fragen zu stellen wie: "Wer steht hinter dem Angebot?", "Entspricht dieses dem fachwissenschaftlichen Erkenntnisstand?", "Berücksichtigt es die aktuellen fachdidaktischen Standards?", "Wird das Material der Heterogenität der Schüler*innen gerecht?". Hierfür stellt das Augsburger Analyse- und Evaluationsraster ein Instrument dar, das in unterschiedlichen Lehr- und Lernkontexten sowie in den drei Phasen der Lehramtsausbildung erfolgreich erprobt wurde.

Der hier vorgestellte Band erscheint als Folgepublikation zu "Das Augsburger Analyse- und Evaluationsraster für analoge und digitale Bildungsmedien (AAER)" aus dem Jahr 2017. Er vereint Sichtweisen von Erziehungswissenschaftler*innen, einem Juristen, einem Schulpraktiker sowie Fachdidaktiker*innen unterschiedlichster Fächer (Deutsch, Französisch, Mathematik, Politische Bildung, Kunst, Evangelische und Katholische Religionspädagogik, Geschichte und Geographie) auf OER und diskutiert diese mit Hilfe des Augsburger Analyse- und Evaluationsrasters. Zentrale Ergebnisse der Analysen sind: Neben "Leuchtturmprojekten" konnten zahlreiche Angebote identifiziert werden, die den aktuellen (fach-)didaktischen Erkenntnisstand unterlaufen und eher eine traditionelle Inhaltsauswahl und Vermittlung widerspiegeln; die digitalen Potentiale der fast ausschließlich digital vorliegenden Materialien bleiben häufig ungenutzt. Ein in allen Beiträgen identifiziertes Problem stellt die häufig fehlende Transparenz der Anbieter dar.

Um die Lehramtsstudierenden für solche Thematiken zu sensibilisieren, eignet sich das Augsburger Analyse- und Evaluationsraster, wie zwei im Rahmen von Geschichts- und Geographie-Didaktikseminaren durchgeführte Studien zeigen, die ebenfalls im neuen Band enthalten sind.

Der Band kann in der Lehrkräfteausbildung eingesetzt werden und gemäß den Zielen des Augsburger Projekts "Förderung der Lehrerprofessionalität im Umgang mit Heterogenität (LeHet)" den professionellen Umgang mit und Einsatz von OER der zukünftigen Lehrkräfte vorbereiten helfen und somit die Praxisrelevanz des Lehramtsstudiums stärken.