Neue Ausgabe des heiEDUCATION Journal erschienen – Heft Nr. 6/2020

Das kürzlich erschienene sechste Heft des heiEDUCATION Journals versammelt unter dem Rahmenthema "Selbstvergewisserungen“ eine Reihe interdisziplinär ausgerichteter Beiträge zu Aspekten der wissenschaftlichen Verortung der Pädagogik und Didaktik, der (Selbst-)Reflexivität in der Lehrkräftebildung und der Verständigung über die institutionellen Grenzen "Hochschule – Schule – außerschulische Lernorte" hinweg.

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© Heidelberg School of Education

Die Beiträge erörtern mit historischen, theoretischen und empirischen Zugriffen die für die Lehrkräftebildung zentrale Frage, wie die in ihrer Gegenstands- und Methodenvielfalt begründete Diversität eine Einheitlichkeit gewinnen kann, ohne die jeweilige Spezifik preiszugeben. In diesem fortwährenden Prozess der Selbstvergewisserung kann man ein Qualitätsmerkmal der Lehrkräftebildung als multiple Disziplin erkennen, das sich in einem forschenden Habitus dem eigenen Fach, in einer selbstreflexiven Haltung der eigenen Person sowie in einer experimentellen Neugier den Vermittlungsmöglichkeiten gegenüber ausdrücken kann. Hierzu tragen die Aufsätze der aktuellen Ausgabe aus jeweils eigener Perspektive neue Erkenntnisse, Fragen und Anregungen bei.

Den Auftakt bildet der Überblicksaufsatz von Albrecht Wacker, Helmut Fend, Thorsten Bohl, Markus Rehm, Joachim Engel und Carsten Rohlfs, die mit der vom Autorenteam repräsentierten fachlichen Breite die Einheit der Bildungswissenschaften und die Vielfalt ihrer Disziplinen und Forschungsfelder erkunden. Ausgehend von einer geschichtlichen und theoretischen Verortung der verschiedenen im Bildungsbereich vertretenen Fachrichtungen fragen die Autoren nach dem Mehrwert einer stärkeren interdisziplinären Ausrichtung und Vernetzung der unterschiedlichen Forschungsperspektiven. Daran anschließend bieten Martin Heinrich und Kathrin te Poel eine Verortung der Lehrerbildung zwischen ‚Theorie-Praxis-Relationierung‘, ‚Imagerie‘ und Abgrenzungstendenzen. Mit Fokus auf die Perspektive von Akteurinnen und Akteure der Studienseminare beschreiben sie die Gräben zwischen den Domänen der Lehrkräftebildung, die sich in der Frage von Theorie und Praxis manifestieren, und die es zu überwinden gilt.

Drei weitere Beiträge befassen sich mit einem wesentlichen Aspekt hinsichtlich des Theorie-Praxis-Verhältnisses, nämlich den ‚Schulpraktischen Ausbildungseinheiten‘, die als spezifische Qualifizierungs- und Professionalisierungsbereiche im Lehramtsstudium gelten. Auf Grundlage empirischer Daten nehmen sie insbesondere die studentische Perspektive und Selbstreflexion in den Blick. In einer empirischen Querschnittstudie zu fachdidaktischen Lehrer-Selbstwirksamkeitserwartungen (SWE) interessiert Nadine Franken, Sabrina Dahmen und Angelika Preisfeld, inwiefern sich unterrichtsbezogene Erfahrungen im Experimentalunterricht (positiv) auf die Lehrer-SWE von Studierenden der Fächer Biologie und Sachunterricht auswirken. Basierend auf Reflexionstagebüchern, die im Kontext des Bielefelder Projekts „bi(o)lingual“ entstanden sind, analysieren Stephanie Ohlberger und Claas Wegner Bilinguale Module in der Einschätzung von Lehramtsstudierenden. Eine weitere Dimension der Praxiserfahrung im Studium erkunden Carola Mantel, Esther Kamm und Christine Bieri Buschor, indem sie Angehende Lehrpersonen im Auslandspraktikum begleiten und die Hindernisse und Potenziale dieser besonderen Lernerfahrung ausloten.

Zum Abschluss widmen sich zwei Beiträge dem produktiven Dialog zwischen den Institutionen Hochschule und Schule. Stefan Seeber argumentiert unter dem programmatischen Titel Mittelalter hat Zukunft – neue Perspektiven für Mediävistik und Schule für einen pragmatischeren Ansatz in der Vermittlung mediävistischer Inhalte in Schulen, den der Autor im Freiburger Projekt „Netzwerk Philologie und Schule“ bereits vielfach umgesetzt hat. In der Rubrik Experiment erläutert Jörg Peltzer ebenfalls basierend auf eigener Projekterfahrung, wie sich Lernorte verknüpfen lassen und stellt drei Wege der Kooperation zwischen Universität, Schule, Museen und anderen außerschulischen Lernorten vor.

Mit dieser Ausgabe verabschiedet sich das Gründungsherausgeberteam des heiEDUCATION Journals, Prof. Dr. Beatrix Busse und Prof. Dr. Gerhard Härle, die sich in anderen Tätigkeitsfeldern für die Lehrkräftebildung engagieren, die aber der Zeitschrift mit Interesse und guten Wünschen verbunden bleiben. Damit geht die Herausgeberschaft der Zeitschrift interimsweise an das Direktorium der Heidelberg School of Education über, Prof. Dr. Petra Deger und Prof. Dr. Michael Haus.

Das Journal richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende mit Berufsziel Lehrerkraft, berufstätige Lehrpersonen, in der Fort- und Weiterbildung Tätige sowie an Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitiker. Es bietet eine Plattform für den interdisziplinären Austausch und fördert den Dialog über die Grenzen der Fächer und Institutionen hinweg.