Kooperation vor Konkurrenz – Der "Verbund zur Lehrerbildung in Niedersachsen" als Koordinationsgremium hochschulübergreifender Fragen der Lehrkräfteausbildung

Mit der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ wurden Gelegenheitsstrukturen geschaffen, in denen neue Ansätze und Modelle erdacht und erprobt werden können. Unabhängig von der projektbezogenen Entwicklung braucht es jedoch kontinuierliche Strukturen, die den Austausch zwischen den an der Lehrkräftebildung beteiligten Institutionen sicherstellen. In Niedersachsen wurde mit dem "Verbund zur Lehrerbildung" ein Gremium geschaffen, in dem die erforderlichen Koordinationsleistungen erbracht werden.

Im Vordergrund sitzt ein Mann mit aufgestützten Armen an einem Tisch, im Hintergrund sind zwei weitere Prsonen zu erkennen

Ministerialrat Christof Schiene ist Mitglied im "Verbund zur Lehrerbildung in Niedersachsen" und wirkte als Ländervertreter im Auswahlgremium der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" mit.

© Niedersächsischer Verbund zur Lehrerbildung

Ein Kommentar von Christof Schiene

Die Qualität der Lehrkräfteausbildung hängt von vielen Faktoren ab und entwickelt sich kontinuierlich. Der "Stein der Weisen" für eine optimale Lehrkräftebildung wurde bislang noch nicht gefunden. Trotzdem hat sich gegenüber dem einstigen "patchwork"-Studium und der gewissen Zufälligkeit einer guten Lehrkräfteausbildung in den vergangenen 15 Jahren sehr viel getan.

"Qualitätsoffensive Lehrerbildung" schafft Gelegenheitsstrukturen

Aktuell ist die "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" (QLB) ein Beleg für Innovation. So wurden mit der QLB Gelegenheitsstrukturen geschaffen, in denen neue Ansätze und Modelle erdacht und mehrjährig erprobt werden können. Das Bund-Länder-Programm hat hierfür zugleich die Finanzierung in einer beachtlichen Größenordnung sichergestellt. Mit Hilfe der QLB konnten eine Vielzahl lehrkräftebildender Standorte und eine noch größere Themenbreite adressiert werden. Das Zusammenspiel von wettbewerblicher Auswahl und Drittmitteln erhöht nicht zuletzt auch die Akzeptanz der Lehrkräftebildung als Ganzes in der Universität.

Strukturen müssen den Austausch aller Institutionen sicherstellen

Unabhängig von der projektbezogenen Entwicklung braucht es jedoch kontinuierliche Strukturen, die den Austausch und verlässliche Absprachen zwischen den an der Lehrkräftebildung beteiligten Institutionen mit je eigenen Logiken und rechtlichen Anforderungen sicherstellen. Dieser Aspekt ist schon deshalb zentral, weil es sich um ein berufsrechtlich reglementiertes Studium handelt und die Hochschulen in der Gestaltung nicht vollkommen frei agieren können.

Verbund als Aushandlungsort für alle Belange der hochschulischen Lehrkräftebildung auf Landesebene

In Niedersachsen wurde bereits frühzeitig ein Gremium geschaffen, in dem diese Koordinationsleistungen erbracht werden sollen: Der "Niedersächsische Verbund zur Lehrerbildung" ist die zentrale und landesweite Plattform zur Diskussion aller hochschulübergreifenden Fragen zur universitären Ausbildung von Lehrkräften.
Den Verbund bilden:

  • alle lehrerausbildenden Hochschulen Niedersachsens
  • das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur
  • das Niedersächsische Kultusministerium

Der Verbund koordiniert Prozesse und erarbeitet handlungsleitende Empfehlungen im Kontext der Lehrkräftebildung, die sich an die Hochschulen und den politischen Raum richten.

Vor inzwischen fast 20 Jahren wurde der Verbund zunächst als Umsetzungsinstrument für die Implementierung der gestuften Studienstruktur gegründet. Sein Fortbestand in den zwei Dekaden ist als Ausweis des Mehrwertes zu deuten. Heute versteht sich der Zusammenschluss im Kern als Aushandlungsort für alle Belange der hochschulischen Lehrkräftebildung auf Landesebene.

Kontinuierlicher Austausch schafft wechselseitiges Vertrauen

Als wesentliche Stärke des Verbundes hat sich herauskristallisiert, dass ein kontinuierlicher Austausch der Hochschulen mit den zuständigen Ministerien, aber auch untereinander ermöglicht und auf eine Basis gestellt wird, die wechselseitiges Vertrauen schafft. Darüber hinaus gelingt es dem Verbund und seinen eigens mandatierten Mitgliedern, die teils spezifischen Interessenlagen der einzelnen Hochschulstandorte transparent und diskutierbar zu machen. Der Konsistenz der Prozesse dient eine "Vereinbarung für die Grundlagen der Zusammenarbeit". Im Ergebnis zeigt sich, dass für jeweils aktuelle Herausforderungen niedersachsenweite Lösungen abgestimmt und transferiert werden können. So haben die ausbildenden Universitäten auch im Rahmen der QLB mehrere gemeinsame Workshops verabredet, die gute Praxisbeispiele herausstellen und zusätzliche Kooperationen ermöglichen.

Als anerkannte Dauereinrichtung mit einer zugeordneten Geschäftsstelle wird der Verbund auch aus den Hochschulen und den Ministerien heraus um Stellungnahmen und Vorschläge zu übergreifenden Fragen der Lehrkräftebildung gebeten.

Funktionierende Ansätze der Qualitätsoffensive für den Regelbetrieb adaptieren

Diese Struktur wirkt sich positiv auf die Umsetzung der Ergebnisse der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" aus, weil die Empfehlungen breit über alle Standorte und die Ministerien konsentiert sind und damit deutlich mehr Gehör am einzelnen Standort finden als allein der "Prophet oder die Prophetin im eigenen Land". Das Wissenschaftsministerium nimmt die Empfehlungen zugleich als Verhandlungsgrundlage für die mit den Hochschulen im Themenfeld "Lehrkräftebildung" jeweils mehrjährig abzuschließenden Zielvereinbarungen.

Es ist gemeinsame Aufgabe der Landesministerien und Hochschulen – in Niedersachsen mit hilfreicher Unterstützung des "Verbundes zur Lehrerbildung" – funktionierende Ansätze der Qualitätsoffensive für den Regelbetrieb zu adaptieren.



Ministerialrat Christof Schiene ist Leiter des Referats für Hochschulentwicklung, Qualitätssicherung, Lehrerbildung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur. Er ist Mitglied im "Verbund zur Lehrerbildung in Niedersachsen" und wirkte als Ländervertreter für die Kultusministerkonferenz im Auswahlgremium der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" mit.