"Kompetenzorientierung auf dem Prüfstand" – HRK-nexus Jahrestagung widmet sich auch Kompetenzerwerb von Lehrkräften

Die Jahrestagung des Projekts nexus „Übergänge gestalten, Studienerfolg verbessern“ der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zog am 27. und 28. März 2018 in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität zu Berlin eine Zwischenbilanz zur institutionellen Umsetzung der Kompetenz- und Lernergebnisorientierung in den Hochschulen.

Plenum der HRK-nexus-Jahrestagung an der HU Berlin

Die von Dr. Jan-Martin Wiarda moderierte HRK-nexus Jahrestagung machte die Chancen und Herausforderungen der Ausrichtung an Kompetenzen und Lernergebnissen deutlich.

DLR PT

Der hochschuldidaktische Paradigmenwechsel („shift from teaching to learning“) gilt als einer der wichtigsten inhaltlichen Zielsetzungen der Europäischen Studienreform, deren internationaler Stand der Umsetzung im Mai auf dem Pariser Ministerfolgetreffen bilanziert wird. Die Jahrestagung des Projekts nexus „Übergänge gestalten, Studienerfolg verbessern“ der HRK regte unter dem Oberthema "Kompetenzorientierung auf dem Prüfstand" mit einer umfassenden und kritischen Bestandsaufnahme zum weiteren fach- und hochschulübergreifenden Erfahrungsaustausch über gelungene Beispiele für curriculare und didaktische Innovationen in der Hochschullehre zur Verbesserung des Kompetenzerwerbs und des Studienerfolgs an.

Am ersten Tag der Veranstaltung diskutieren die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Plenum und in fachspezifischen Workshops unter anderem darüber, wie sich Hochschulen durch immer heterogenere Studierendenkohorten tatsächlich verändern, welche Bedeutung dies für den Wandel in der Lehre hat und welche Bedingungen einen fach- und hochschulübergreifenden Austausch über Lehr- und Lerninnovationen nachhaltig unterstützen können.

Am zweiten Tag wurden diese Fragen im nexusCAMP – einem Barcamp-Format zum Thema "Zur Zukunftsfähigkeit der Kompetenzorientierung – Ansatzpunkte und Erfahrungen aus den Hochschulen, Fachbereichen und Fakultäten" – vertieft. Hier hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, für sie relevante Themen zu setzen und so neue Aspekte einzubringen oder die Diskussion vom Vortag vertieft weiterzuführen. In den 18 Sessions wurden von Digitalisierung über berufsrelevante Kompetenzen bis zum Mut zur Theorie vielfältige Aspekte der Kompetenzorientierung aufgegriffen.

Der diskutierten Begriffe und Ansätze spielen auch in der Lehrerbildung eine große Rolle. Insbesondere die in den unterschiedlichen Fachbereichen vorgestellten Lehr-, Lern- und Prüfungsformate können übertragen werden und die Anforderungen bspw. an den Umgang mit digitalen Medien gelten für Studierende des Lehramts gleichermaßen.

Graphic Recording

Ergebnisse des Workshops „Kompetenzorientierung in der Lehrerbildung“ im Graphic Recording.

Foto: DLR PT/Illustration:Benjamin Felis

Im Workshop „Kompetenzorientierung in der Lehrerbildung“ spielte das Forschende Lernen eine besondere Rolle. Hier diskutierten Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlichster Institutionen der Lehrerbildung aus ganz Deutschland, worin die besonderen Herausforderungen der Kompetenzorientierung in der Lehrerbildung liegen. Mit Bezug auf einen Impuls von Prof. Dr. Julia Schwanewedel (Humboldt-Universität zu Berlin) wurde erörtert, wie das Forschende Lernen dazu beitragen kann, diese Kompetenzen zu fördern. Eine der Herausforderungen in der Lehrkräftebildung sei es, die Lehramtsstudierenden dazu zu befähigen, ihr Bild und ihre Haltung zum Lehramt sowie ihre Alltags-(Schul-)Erfahrungen kritisch zu hinterfragen und die Komplexität des Berufsbildes zu begreifen. Dem Lehramtsstudium gelänge es oftmals noch nicht, diese Komplexität sichtbar zu machen: Die Fächer vermitteln Fachwissen und -didaktik, die Erziehungswissenschaft liefert den theoretisch-methodologischen Rahmen, die Zusammenführung dieser drei Dimensionen und der drei Phasen Studium – Referendariat – Berufspraxis bliebe jedoch zu häufig noch den einzelnen Studierenden überlassen. Für Julia Schwanewedel ist das Forschende Lernen in der Schul-/Bildungsforschung ideal dazu geeignet, den immer wieder notwendigen Perspektivenwechsel erfahrbar zu machen und zu üben. Auch der Einsatz von Videovignetten kann unterstützend wirken.
Diese Erfahrung wurde allgemein bestätigt, doch sei die Verankerung selbst erfolgreich evaluierter neuer Formate im Lehramtsstudium eine Herausforderung. Das Zusammenwirken aller Bereiche der Lehrerbildung werde oftmals nur auf Projektbasis angegangen und selten strukturell verankert. Der Austausch aller Akteure und hier insbesondere die Einbindung der Hochschulleitungen sei hierzu ein wesentlicher Schritt.

Zusammenfassend wurde festgehalten, dass kompetenzorientierte Lehrerbildung zum einen gemeinsame und vergleichbare Modelle zu Kernkompetenzen in den Fächern, den Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften benötige. Wesentlich sei zudem die theoretische Verankerung und systematische Evaluation von Lehr-, Lern- und Prüfungskonzepten, ebenso wie deren Veröffentlichung und Nutzung. Es müssen  Lerngelegenheiten geschaffen werden, in denen Wissensbereiche verknüpft und ein systematischer fach- und hochschulübergreifender Austausch ermöglicht werden. Förderprogramme wie die „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ böten hierzu bereits eine wichtige Plattform.