"Kasuistische Lehrer*innenbildung für den inklusiven Unterricht (KALEI)": Bilanztagung zur ersten Förderphase beleuchtet Ergebnisse und eröffnet Ausblicke

Am 16. Mai 2019 fand an der Universität Halle-Wittenberg die Bilanztagung der ersten Förderphase des Projekts KALEI statt. Mitarbeitende der Universität, Gäste anderer QLB-Projekte und des Landesinstituts für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt erhielten Einblicke in den Arbeitsstand des Projekts. In Plenarvorträgen und Workshops wurden die Chancen einer Heterogenitätssensibilisierung durch Fallarbeit diskutiert und Transfermöglichkeiten geprüft.

Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Bremer übergibt die Projektleitung an Prof. Dr. Rolf-Torsten Kramer

Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Bremer übergibt im Rahmen der KALEI-Bilanztagung die Projektleitung an Prof. Dr. Rolf-Torsten Kramer

© MLU/Markus Scholz

Von Anne Julia Fett  und Susanne Schütz

Schulen ebenso wie die Lehrer*innenbildung stehen vor der menschenrechtlich begründeten Aufgabe, sich zu inklusiven Bildungseinrichtungen weiterzuentwickeln. Das Projekt KALEI strebt in diesem Sinne die Verbesserung der Qualität der Lehrer*innenbildung und damit zugleich eine Verbesserung der Qualität von Schule und Unterricht unter veränderten gesellschaftlichen Anforderungen an. "Pädagogische Professionalisierung" ist das zentrale Stichwort für das fakultätsübergreifende QLB-Projekt, das die Lehrer*innenbildung so verändern möchte, dass die Studierenden möglichst früh eine Orientierung auf die komplexen Herausforderungen in der Schule erhalten. Professionalisierung bezieht sich in der Lesart von KALEI insbesondere auf Prozesse der Transformation von pädagogischen Orientierungen und zielt auf die Anbahnung einer Haltung, mit der angehende Lehrer*innen sich für die Entwicklungs-, Lern- und Bildungsprozesse aller Schüler*innen zuständig fühlen. Die Heterogenitätssensibilisierung von Studierenden sowie die reflexive Auseinandersetzung mit Inklusion werden im Projekt insbesondere durch verschiedene Formen der Fallarbeit fokussiert und vorangetrieben. Die Bilanztagung veranschaulichte diesen "gemeinsamen Nenner" von KALEI – und gewährte zugleich Einblicke in die Vielgestaltigkeit seiner Teilprojekte.

Eröffnung der KALEI-Bilanztagung

Eröffnung der KALEI-Bilanztagung

© KALEI/Annett Plonka

Eröffnet wurde die Tagung mit einem Grußwort des Bildungsministers Marco Tullner, in welchem dieser die Bedeutung der Lehrer*innenbildung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) für das Land Sachsen-Anhalt anschaulich machte. Prorektorin Prof. Dr. Johanna Mierendorff betonte in ihren Eröffnungsworten darüber hinaus die Relevanz eines Ausbaus der Forschung sowie der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Bereich Bildungswissenschaften und Lehrer*innenbildung. Als langjähriger Direktor des Zentrums für Lehrer*innenbildung und Projektleiter von KALEI schloss Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Bremer die Tagungseinführung mit einer Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse von KALEI und einem Dank an alle Beteiligten und Mitarbeiter*innen der ersten Förderphase ab, bevor Prof. Dr. Rolf-Torsten Kramer, der zukünftige Projektleiter von KALEI2, eine Standortbestimmung der Lehrer*innenbildung an der MLU vornahm.

Prof. Dr. Kramer verdeutlichte in seinem Vortrag, inwiefern der Lehrer*innenberuf eine "professionalisierungsbedürftige Praxis" darstellt, für welche nicht zuletzt die Herausbildung eines kritisch-reflexiven Habitus auf Seiten der Studierenden essentiell erscheint. Als handlungsdruckentlastete Begegnung mit Schule, Unterricht und Lehrer*innenhandeln werden kasuistische Formate in der Lehrer*innenbildung, in denen eine Professionalisierung für inklusive Settings und der geschulte, sensible Blick für Heterogenität möglich werden, als besonders geeignet angesehen.

Dr. Edina Schneider und Richard Schmidt schlossen mit der Ergebnispräsentation aus der von Jun.-Prof. Dr. Doris Wittek verantworteten qualitativen und quantitativen Begleitstudie von KALEI an diese Ausführungen an: In ihrem Vortrag wurden erste Befunde zur kasuistischen und inklusionsorientierten Lehrer*innenbildung an der MLU u. a. anhand von empirischen Beispielen, welche die Ambivalenz von und den produktiven Umgang mit Irritationen von Studierenden sichtbar werden ließen, gezeigt.

Workshop zur Videographie in den Praxisphasen des Lehramtsstudiums

Workshop zur Videographie in den Praxisphasen des Lehramtsstudiums

© KALEI/Annett Plonka

Im Rahmen von insgesamt acht Workshops in vier Themenlinien (Inklusion, Kasuistik, Praxisphasen, Interkulturalität) hatten alle Teilnehmenden anschließend im Zentrum für Lehrer*innenbildung die Möglichkeit, sich einen Überblick über die Potentiale und Ergebnisse der Teilprojekte zu verschaffen, diese zu diskutieren sowie auch Inspiration und Anschlussmöglichkeiten für die eigene Arbeit zu finden. Allen Workshops gemein war hierbei ihre Anlage als Format der Ergebnispräsentation, vor allem aber auch des Austauschs – welcher insbesondere durch die Heterogenität der Teilnehmenden in den einzelnen Gruppen bereichert wurde. So trafen u. a. Fachdidaktiker*innen, Studierende sowie Mitarbeiter*innen aus LISA und Studienseminaren zusammen und brachten sich in vielfältiger Weise in Gruppendiskussionen, die Interpretation von Videovignetten und Transkripten und weiteren im Rahmen der Teilprojekte entstandenen Materialien ein.

Das Ende der Tagung bildeten ein zusammenfassender Kommentar über die Arbeit in den einzelnen Workshops, Dankesworte an alle Beteiligten und der Ausblick auf die zweite Förderphase, in der KALEI den Schwerpunkt Heterogenitätssensibilisierung in zwei Handlungsfeldern weiter ausbauen wird. Damit wurde auch eine feierliche "Staffelübergabe" von Prof. Bremer, der sich in einigen Monaten in den Ruhestand verabschieden wird, an den neuen Projektverantwortlichen, Prof. Kramer vollzogen.

Die Bandbreite der für das pädagogische Handeln zukünftiger Lehrer*innen relevanten Heterogenitätsdimensionen, welche in der Workshop-Arbeit spürbar wurde, steht auch im Zentrum der pünktlich zur KALEI-Bilanztagung fertiggestellten Publikation "Heterogenitätssensibilität durch Fallarbeit fördern. Zum Stellenwert von Kasuistik & Inklusion in der Lehrer*innenbildung", die zur vertiefenden Lektüre und Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen und Diskussionslinien aus den KALEI-Teilprojekten anregen möchte.