Ideenwerkstatt – Impulse aus den Projekten der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung"

Keine Zuschauer – nur Teilnehmer! Unter diesem Motto setzten die Teilnehmenden der Netzwerktagung 2019 im Rahmen des QLB-Camps, eines themenspezifischen Barcamp-Formats, ihre Agenda selbst. Diskutiert wurden aktuelle Herausforderungen der Lehrkräftebildung und des Arbeitsalltags an den Hochschulen.

Menschen in einem Veranstaltungssaal

Am Anfang jedes Barcamps steht die Vorstellungsrunde – das QLB-Camp startete mit einem Warm-Up am Abend des 19. November 2019.

© BMBF/Armin Höhner

Im Rahmen des QLB-Camp hatten die Teilnehmenden der Netzwerktagung der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" die Möglichkeit, für sie relevante Themen vorzuschlagen und so neue Aspekte einzubringen oder die Diskussion vom Vortag vertieft weiterzuführen. Auf der Veranstaltung vertreten waren Mitarbeitende aller Projekte des Förderprogramms – darunter auch Personen aus den zwölf Hochschulen, die ab 2020 im Rahmen der zusätzlichen Förderrunde neu zur Qualitätsoffensive hinzukommen.

In 11 Sessions wurde über zahlreiche Fragenstellungen aus dem Arbeitsalltag der Projekte, aktuelle Fragen rund um die Themen Klimawandel, Schülermitbestimmung und Demokratiebildung oder über die Betreuungsqualität in Schulpraktika gesprochen. Im Fokus der Session "Geisteswissenschaften" stand beispielsweise die Frage nach einer möglichen gemeinsamen Basis, einer gemeinsamen Sprache der meist spezifischen Fachbereiche, wie sie beispielsweise die Mathematik für die Naturwissenschaften ist. Darüber hinaus nutzten gerade die Projekte, die erst ab 2020 mit ihrer Arbeit beginnen, die Möglichkeit, sich mit anderen geförderten Hochschulen auszutauschen.

Einen weiteren Blick in die Sessions bietet folgende exemplarische Auswahl:

Institutionalisierung der Lehrerbildung

In der von Prof. Dr. Thorsten Bohl von der Universität Tübingen initiierten Session zum Thema "Institutionalisierung der Lehrerbildung" stellten drei Hochschulen – die TU München, die Universität Hamburg und die Universität Tübingen – Beispiele gelingender Vernetzungsarbeit zwischen Fachwissenschaften, Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften in verschiedenen Modellen bzw. Organisationsformen der universitären Lehrerbildung vor. Dabei wurde deutlich, dass die Modelle eine hohe Varianz aufweisen und die Bezeichnungen alleine noch keine Rückschlüsse auf die tatsächlichen Funktionen zulassen – so hat die "School of Education" an der TUM Fakultätsstatus, während die "School of Education" an der Universität Tübingen als zentrale wissenschaftliche Einrichtung fungiert. Auch die "Zentren für Lehrerbildung" an den deutschen Hochschulen sind teilweise zentrale wissenschaftliche Einrichtungen, an denen auch Forschung betrieben bzw. koordiniert wird, teilweise aber auch reine Serviceeinrichtungen mit organisatorischer Unterstützungsfunktion in der Lehramtsausbildung. Deutlich wurde, dass sich nur durch die Integration und Partizipation aller Akteure die oftmals komplexen strukturellen und inhaltlichen Abstimmungen und Veränderungsprozesse an den lehrkräftebildenden Standorten bewerkstelligen lassen. Wichtige Fragen sind unter anderem die Kooperation und Vernetzung mit Fachwissenschaften, die formale und informelle Kooperation mit dem Rektorat oder die Struktur der Gremien.

Medienkompetenz

Rund 40 Teilnehmende tauschten sich zum Thema "Medienkompetenz" aus. Diskutiert wurde unter anderem, welchen Rahmenmodellen die eigene Arbeit in den Projekten folgt. Rasch wurde deutlich, dass alle theoretischen Modelle hochschulspezifisch ergänzt werden. Camp-Initiator Prof. Dr. Karsten Wolf von der Universität Bremen stellte dabei seinen Ansatz vor, der unter anderem die Schulentwicklung mit in den Blick nimmt. An praktischen Beispielen tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darüber aus, mit welchen Maßnahmen Medienkompetenzen in der Lehrkräftebildung konkret erreicht werden können. Beispiele der Hochschulen reichten von Angeboten der Profilbildung über den gesamten Studienverlauf hinweg und phasenübergreifende Medienkompetenz-Portfolios bis hin zu Zertifikatskursen und Aufbaustudiengängen. Einigkeit herrschte darüber, dass Medienkompetenzen möglichst im regulären Studienverlauf und insbesondere in den Fachwissenschaften an konkreten Fragestellungen erworben werden sollten. Von hoher Relevanz ist dabei auch die hochschuldidaktische Weiterbildung Lehrender. Diskutiert wurden schließlich auch Fragen nach Mindestanforderungen, Qualitätsstandards oder wie die Strategie"Bildung in der digitalen Welt" der Kultusministerkonferenz auf fachspezifische Erfordernisse angepasst werden kann.

Lebenslanges Lernen

"Lebenslanges Lernen" stand im Fokus der von Dr. Sigrid Heinecke von der Universität Erfurt angeregten Session. Wie kann man die Fort- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen wie dem Lehrermangel oder der heterogenen Fortbildungsbildungslandschaft in den Ländern gestalten? Warum ist die Bereitschaft sich fortzubilden meist eher gering? Ist eine Vermischung der Phasen überhaupt sinnvoll? Vor dem Hintergrund dieser und weiterer Fragestellungen wurden unterschiedliche Herangehensweisen, Projekte und Anreizsysteme für Lehrkräfte vorgestellt. Einigkeit herrschte darüber, dass der Kontext der Lehrkräftefortbildung zentral ist: Wertschätzung, Motivation, entsprechende Angebote und die Abminderung von Stunden können die Bereitschaft, sich fortzubilden, positiv beeinflussen. Die Fort- und Weiterbildung müsse als Teil der Schulentwicklung begriffen werden. Theorie und Praxis müssen unter Berücksichtigung der Systemlogiken ein Berufsleben lang zusammengedacht werden, so die einhellige Meinung der Teilnehmenden.

Gute Modelle/Nachhaltigkeit

In der Session zum Thema "Gute Modelle/Nachhaltigkeit" diskutierten die Teilnehmenden gemeinsam mit Sessiongeber Dr. Sebastian Mahner von der Heidelberg School of Education die Frage, wie Projekte angelegt werden müssen, um nachhaltig wirken zu können. Dabei wurde vorgeschlagen, schon bei der Planung eines Projekts sehr deutlich zu machen, ob es nach der Erreichung eines Ziels, beispielsweise der Beantwortung einer spezifischen Forschungsfrage, beendet werden könne oder ob es bestimmter Übergangsszenarien bedarf, um Elemente eines Projekts zu bewahren.

Lehramt an beruflichen Schulen

Sonja Köhler von der Universität Siegen regte dazu an, sich über das "Lehramt an beruflichen Schulen" auszutauschen. Die Frage nach den Kooperationen zwischen Universitäten, Wirtschaft und Verbänden im Bereich der Lehrkräftebildung für Berufskollegs trat zunächst hinter den Austausch über die Rahmenbedingungen zurück. Die rund zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer schnitten eine Vielzahl ganz spezifischer Themen an: von der Studienorganisation für Quer- und Seiteneinsteigende und Absolventenzahlen über Aspekte des Theorie-Praxis-Transfers bis zur Frage der (De-)Professionalisierung: Sind die Einstiegshürden für nicht-ausgebildete Lehrkräfte im Bereich der beruflichen Bildung zu niedrig? Sollten die Universitäten hier mehr Widerstand leisten – und wenn ja: Auf welche Bildungsinhalte sollte bestanden werden? Am Ende war man sich einig, dass dieser Austausch nur ein erster Einstieg sein kann, der – auch mit nicht-geförderten Hochschulen – fortgeführt werden müsste.

Die Sessions boten allen Akteursgruppen einen offenen Rahmen, sich über die aktuellen Herausforderungen an den Hochschulen und der Lehrerbildung auszutauschen. Differenzen und Gemeinsamkeiten wurden diskutiert, neue Ideen entwickelt und Impulse und Anregungen gegeben.
 

WarmUp des QLB-Camps 2019; Foto: BMBF/Armin Höhner

Barcamp-Neulinge haben im Warm-Up die Möglichkeit, sich mit dem Format vertraut zu machen, sich kennenzulernen und erste Ideen auszutauschen.

© BMBF/Armin Höhner

Personengruppe; Foto: BMBF/Armin Höhner

Die offene Atmosphäre – bei der alle Teilnehmenden aktiv werden, selbst gestalten, einander berichten, zuhören, nachfragen, kritisieren, erläutern – wird bei Barcamps zum Prinzip.

© BMBF/Armin Höhner

zwei Personen im Gespräch; Foto: BMBF/Armin Höhner

Die Themenvorschläge kommen ausschließlich von den Teilnehmenden. Sie stellen – unterstützt vom Moderator – ihre Themen den anderen Teilnehmenden vor.

© BMBF/Armin Höhner

Sessionboard des QLB-Camps 2019; Foto: BMBF/Armin Höhner

Alle Themenvorschläge werden auf dem Sessionboard festgehalten.

© BMBF/Armin Höhner

Personen im einem Veranstaltungssaal: Foto: BMBF/Armin Höhner

Die Teilnehmenden stimmen gemeinsam ab, ob sie eine vorgestellte Session interessiert und mit wie vielen diese stattfinden könnte. So wird der Ablaufplan für sämtliche Sessions gemeinsam erstellt.

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Personen in einem Veranstaltungsraum; Foto: BMBF/Armin Höhner

Die Teilnehmenden gestalten ihre Sessions selbst: mit einem vorbereiteten Vortrag, der Präsentation eines Good-Practice-Beispiels oder der Diskussion einer Fragestellung, mit der sich jemand im Arbeitsalltag befasst.

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Personen in einem Veranstaltungsraum; Foto: BMBF/Armin Höhner

Es gibt kein festes Programm und keine Unterscheidung zwischen Referenten und Zuhörern. Jeder Teilnehmer kann sich aktiv mit einer eigenen Session oder im Rahmen einer Session einbringen.

© BMBF/Armin Höhner