Forum 2: Wissenschafts- und Praxisbezug in der Lehrkräftebildung. Auf die Lernbegleitung kommt es an.

Im Kontext der Lehrkräftebildung wird die mangelnde Kohärenz der drei Phasen häufig beklagt. Um dem entgegenzuwirken, haben die am Forum beteiligten Universitätsstandorte Kooperationsprogramme aufgelegt, die sich mit der Weiterqualifizierung von Mentoren in Praxisphasen befassen. Basierend auf Schnittmengen und Unterschieden der Projekte diskutierten Vertreter aus Forschung, Schule und Bildungsadministration Chancen und Herausforderungen des Wissenschafts- und Praxisbezugs in der Lehrerbildung.

Forum 2.2 QLB-Programmkongress 2018

© BMBF/Michael Reitz

Es ist die konsensuelle Überzeugung der Lehrerbildungsstandorte Regensburg, Berlin und Jena, dass Lernbegleitung in Praxisphasen des Lehramtsstudiums gemeinsame Aufgabe von Wissenschaft und Praxis ist. Die Akteure aus beiden Kontexten bringen zwar unterschiedliche Expertise ein, sie begegnen sich aber auf Augenhöhe. Übereinstimmendes Ziel ist eine ausbildungs- und berufsbiographisch fundierte Bildung von Professionellen, die Unterricht und Schule gestalten können, die aber auch wissen, warum sie tun, was sie tun. Professionelle können sich nicht einfach auf das Wissen der Wissenschaft oder das Können der Praxis zurückziehen, sondern sie müssen situationsadäquat vermitteln.

Im Rahmen des Forums wurde je ein zentraler Aspekt der Lernbegleitungskonzepte präsentiert und in Kleingruppen diskutiert.

Der Standort Regensburg richtete in seinem Beitrag den Fokus auf Inhalte und die nachhaltige Sicherung des Fortbildungs- und Coaching-Angebots für Praktikumslehrkräfte. In der Diskussion berichtete eine Lehrkraft von ihren Erfahrungen mit dem Maßnahmenpaket und der wahrgenommenen Qualitätsverbesserung bei der Betreuung des schulpädagogischen Praktikums. Des Weiteren wurde die Frage zur Diskussion gestellt, inwiefern Studierende des Lehramts im Spannungsfeld zwischen prozessorientierten Coaching-Ansatz und ergebnisorientierter Lehrprobensituation von der optimierten Lernbegleitung profitieren. Multiperspektivität, Reflexionskompetenz und die Fähigkeit, Lösungsansätze selbstständig zu eruieren, wurden hierbei hervorgehoben.

In dem Vortrag der Berliner Universitäten ging es um die Gestaltung der Lernbegleitung von Praktika und die Unterschiede der Settings „Lehrprobenmodell“ und „Fachspezifisches Unterrichtscoaching“. Aus dieser Gegenüberstellung resultierten zahlreiche Diskussionspunkte: Sind nicht Rahmenmodell der Unterrichtsqualität und Kohärenz der Begleitung wichtiger als das Paradigma des Settings? Wie kann man einbeziehen, dass Studierende v.a. durch die adaptierte Wiederholung von Unterrichtsstunden lernen? Wie können Lernerfahrungen der Praktika rückgekoppelt werden, so dass an der Universität darauf aufbauende Lerngelegenheiten angeboten werden können?

Der Standort Jena rückte in seiner Präsentation die Disseminationsstrategie der Fortbildung in den Mittelpunkt. Zentral war dabei die Frage, wie das Format auch in Zukunft flächendeckend Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen erreichen kann. In der Diskussion wurde die Anregung geäußert, die Dissemination durch digitale Medien zu unterstützen. Gleichzeitig, so der Konsens der Beteiligten, dürfe dabei aber der personale Austausch nicht vernachlässigt werden. Für diesen Austausch muss das Land in Zukunft die notwendigen Rahmenbedingungen für die beteiligten Lehrkräfte schaffen.

Forum 2.2 QLB-Programmkongress 2018

© BMBF/Michael Reitz

Zusammenfassend wird aus den Beiträgen und Diskussionen aller Standorte deutlich, dass die Qualitätsoffensive zwar einen wichtigen Anschub in der Forschung zur Verzahnung von Wissenschafts- und Praxisorientierung geleistet hat. Nichtsdestotrotz zeigt das hier gewählte Beispiel der Lernbegleitung, dass sowohl weitere Forschungen als auch strukturelle Veränderungen und Unterstützungsbereitschaft in den Ländern notwendig sind, um die entwickelten Konzepte nachhaltig in die Fläche zu tragen.



Friedrich-Schiller-Universität Jena: Prof. Dr. Will Lütgert, PD Dr. Karin Kleinespel, Florian Hesse
Technische Universität Berlin: Dr. Diemut Ophardt, Jochen Tan
Humboldt-Universität zu Berlin: Prof. Dr. Stefan Kipf
Universität Regensburg: Dr. Sigrun Schirner, Antonie Höldrich, Caroline Kirr
Jan Brucker, Anton-Balster-Mittelschule Neustadt/Donau, Kooperationspartner der Universität Regensburg