Forum 2: Verknüpfung von Theorie und Praxis in der hochschulischen Lehre

Personen sitzen in Gruppen an Tischen in einem Raum; Foto: BMBF/Armin Höhner

Wie "praktisch" soll die Ausbildung sein, wie "theoretisch" muss sie sein? Das Forum stellte die Diskussion der Herausforderungen von Theorie-Praxis-Relationen in den Fokus.

© BMBF/Armin Höhner

Leitgedanke und Ablauf des Forums

Im Rahmen des Forums wurden zwei zentrale Herausforderungen der Relationierung von "Theorie" (Konstrukte, Modelle, Stand der Forschung) und "Praxis" (professionelles Handeln) diskutiert:

  1. Die Überwindung einer wahrgenommenen Dichotomie von Universität als Theorieraum auf der einen Seite und Schule als Praxisraum auf der anderen Seite im Kontext von Praxisbegegnungen, insbesondere im Rahmen von Schulpraktika (vgl. Fraefel & Seel, 2017).
  2. Die Herstellung einer wechselseitigen Bezugnahme von Theorie und Praxis innerhalb von Lehrveranstaltungen der ersten Phase der Lehrerbildung, die nicht im direkten Zusammenhang
    mit Praxisphasen stehen (z. B. fachdidaktische oder bildungswissenschaftliche Grundveranstaltungen, vgl. Winkler, Gröschner & May, 2018 oder Theorie-Praxis-Seminare mit reduzierter Praxis, beispielweise Fördermaßnahmen mit einem Kind, um Lehr-Lernprozesse zu beobachten, verstehen und zu erproben, vgl. Drechsel et al., 2014).
im Vordergrund ein Laptop, im Hintergrund Personen an Tischen; Foto: BMBF/Armin Höhner

Nach einem kurzen Input wurden Erfahrungen und Ansätze im Format des Expertenpuzzles diskutiert.

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Nach einer kurzen theoretischen Einführung in den Schwerpunkt des Forums wurde die Diskussion als Gruppenpuzzle mit drei Runden organisiert. In den Runden I und II wurde spezifisch zu einer gewählten Herausforderung gearbeitet, in Runde III wurden die Teilnehmenden zusammengeführt. Nach einem ersten offenen Austausch zu Erfahrungen der jeweiligen Hochschule mit der gewählten Herausforderung (Runde I) haben die Teilnehmenden vorgegebene (fiktive) Statements zu den jeweiligen Herausforderungen diskutiert (Runde II). Zuletzt wurden die Ergebnisse der Diskussionen zusammengetragen und zentrale Erkenntnisse notiert (Runde III), die in einer abschließenden Plenumsphase ausgetauscht und gesichert wurden.

Zentrale Ergebnisse und Erkenntnisse

  • Es sollte ein weiter Praxisbegriff etabliert werden: Zum einen umfasst schulische Praxis mehr als das Unterrichten, zum anderen gibt es auch die Praxis von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bzw. die Praxis des Forschens, Präsentierens, Diskutierens, Analysierens. "Praxisbezüge" sollten zu und in allen Bereichen der Lehrerbildung hergestellt (expliziert, plausibilisiert) werden. In ähnlicher Weise sollte ein erweitertes Theorieverständnis entwickelt werden: Theorie bietet keine einfachen Lösungen, wissenschaftliches Wissen ist ein Erklärwissen, Theorie regt zum Verstehen an.
  • Eine Differenzierung zwischen schulischer und universitärer Praxis / zwischen wissenschaftlichen Disziplinen und der Profession als Lehrkraft ist wichtig und sollte nicht aufgegeben werden. Zu klären ist, wofür eine akademische Lehrerbildung steht.
  • Auch die Fachwissenschaften sollten Bezüge auf fachspezifische Aspekte schulischer Praxis explizieren. Die Fachwissenschaften sind in den Tagungen der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" (QLB) kaum vertreten und sollten deutlich besser eingebunden werden, z. B. über ergänzende Plätze, wenn die entsprechenden Kolleginnen und Kollegen nicht Teil des Projektes sind.
  •  Im Rahmen der QLB sollte vermehrt auch über die Ansätze gesprochen werden, die nicht geklappt haben.



Prof. Dr. Alexander Gröschner, Prof. Dr. Iris Winkler (Friedrich-Schiller-Universität Jena)
Prof. Dr. Claudia v. Aufschnaiter, Prof. Dr. Ludwig Stecher (Justus-Liebig-Universität Gießen)
Prof. Dr. Barbara Drechsel, Prof. Dr. Daniela Sauer (Otto-Friedrich-Universität Bambe