Forum 1: Kooperation zur Profilbildung und Organisationsentwicklung am Beispiel von „Diversität“

Die systemische Weiterentwicklung der Lehrerbildung gehört zu den zentralen Zielen der QLB. Ein Schlüssel hierfür an den Universitäten Bayreuth, Augsburg und Jena ist die themenbezogene Kooperation. Aus der Perspektive der verschiedenen Partner werden Maßnahmen geplant und realisiert, um diese Ziele zu erreichen. Im Forum wurde u. a. diskutiert, wie eine disziplinübergreifende Kooperation gelingen kann und welche Wirkungen dies auf die Organisationsentwicklung der Hochschule hat.

Graphic Recording des Forum 1 des QLB-Programmkongresses

Graphic Recording: Christoph J Kellner;
https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de

Die systemische Weiterentwicklung der Lehrerbildung gehört zu den zentralen Zielen der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung". Nicht nur Lehrveranstaltungen der Lehramtsstudiengänge, sondern Lehrerbildung als Ganzes soll sich nachhaltig weiterentwickeln. Doch wie kann dies in der Praxis gelingen?
Nach bisherigen Erfahrungen an den Universitäten Bayreuth, Augsburg und Jena kann „themenbezogene Kooperation“ einen Schlüssel darstellen. Akteure verschiedener Fächer, Fakultäten und Lehrerbildungsphasen setzen sich gemeinsam inhaltliche Ziele, die den Beteiligten wichtig erscheinen. Aus der Perspektive der verschiedenen Partner werden gemeinsam Maßnahmen geplant und realisiert, um diese Ziele zu erreichen.

Forum 1.1 QLB-Programmkongress 2018

BMBF/Michael Reitz

Einen inhaltlichen Schwerpunkt der Diskussion im Forum stellte die Vernetzung von Hochschulen mit außeruniversitären Partnern – insbesondere mit Schulen – dar. Im Zentrum stand dabei die Frage, welche Inhalte und Organisationsformen für die Vernetzung geeignet sind. Schnell konnten sich die Teilnehmenden darauf einigen, dass bei der Zusammenarbeit mit außeruniversitären Partnern die jeweiligen systemimmanenten Ressourcen berücksichtigt werden müssen. Während die Universitäten im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung über projektbezogene Finanzmittel verfügen, erhoffen sich Schulen von den Netzwerken einen Mehrwert in Form von konkreten Unterrichtskonzepten, Hilfen und Materialien. Die Kooperation mit Schulen wird demnach erleichtert, wenn die individuellen Bedürfnisse der Lehrkräfte erfasst und bedient werden können. Aus Erfahrung der Gesprächsteilnehmer wirkt eine Output- und Produktorientierung im besonderen Maße motivierend auf die außeruniversitären Partner. Konkret wurde an dieser Stelle auf folgende Maßnahmen verwiesen:

  • die Erstellung von Materialien durch Projektseminare an der Universität, deren Erprobung durch Lehrkräfte im Unterricht und die anschließende Reflexion im Rahmen von Lehrerfortbildungsveranstaltungen,
  • die Herausgabe von Zertifikaten an Lehrkräfte und Schulen, die längerfristig in Netzwerken mitarbeiten, sowie
  • die Möglichkeit eines Austauschs von Materialien und Konzepten über digitale Plattformen.

Hinzu kommt, dass zeitliche Ressourcen für außeruniversitäre Partner häufig knapp bemessen sind. Arbeitspensum und Terminsetzung sollten sich daher in den strukturellen Rahmen des Schulalltags integrieren
lassen.
Weiterhin wurde betont, dass neben einem konkreten inhaltlichen Fokus auch die Zusammenführung von Kenntnissen und Erfahrungen über Statusgruppen (z. B. Studierende, Lehrkräfte aus Schulen, Lehrende an Universitäten) und Professionen hinweg gewinnbringend sein kann und neue Perspektiven und Impulse schaffen kann.
Hineinwirken in alle Phasen der Lehrerbildung können nach Einschätzung der Teilnehmenden vor allem Netzwerke und Kooperationen, die stark inhaltlich bezogen und fachspezifisch sind und für alle beteiligten Partner relevant erscheinen.

Forum 1.1 QLB-Programmkongress 2018

BMBF/Michael Reitz

Ein weiterer Themenschwerpunkt im Forum fokussierte die Kernveranstaltungen des Lehramtsstudiums. Hierbei wurde die Frage diskutiert, wie insbesondere Lehrende, die nicht direkt an der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" beteiligt sind, sich die (thematischen) Ziele der Qualitätsoffensive zu eigen machen können. Von den Teilnehmern wurden auf struktureller Ebene folgende Lösungen diskutiert:

  • Änderung der verpflichtenden Curricula  (Modulhandbücher etc.),
  • Stärkung inhaltlicher Konvergenz zwischen  Disziplinen durch gemeinsame Einführungsveranstaltungen zu Studienbeginn sowie durch die Bereitstellung „curricularer Bausteine“: Solche Bausteine können anderen Lehrenden Anhaltspunkte zu fachlichen Perspektiven auf Großthemen (z. B. Inklusion) bieten.

In Bezug auf die personelle Ebene wurden Beispiele vorgestellt, bei denen Lehrende verschiedener Disziplinen gemeinsam Lehrveranstaltungen konzipieren und durchführen. Als sinnvoll hat sich auch erwiesen, den Austausch zwischen Lehrenden durch webbasierte Plattformen zu unterstützen und Kompetenzraster zu Theorien und Inhalten im Curriculum zu entwickeln, um inhaltliche Kohärenz der vielfältigen Lehrangebote deutlich zu machen.
Auch Studierende können in solche Prozesse eingebunden werden. Als „Agenten der eigenen Ausbildung“ können sie beispielsweise im Studium erworbene Kompetenzen und Inhalte über (digitale) Portfolios abbilden.

Schließlich wurde im Forum das Umfeld der Lehramtsstudiengänge analysiert und thematisiert, wie die Absprache und Kooperation zwischen den unterschiedlichen „Welten“, in welchen sich Studierende des Lehramtes bewegen (Fachwissenschaften, Fachdidaktiken, Bildungswissenschaften, Universität, Schule, …), gelingen kann. Insgesamt wurden hierzu vier wesentliche Faktoren identifiziert:

  • Die Strukturbildung der Lehramtsstudiengänge kann dann gut gelingen, wenn sie sowohl von den Studierenden und Lehrenden durch „bottom-up“-Prozesse als auch von strukturgebenden Instanzen durch „top-down“-Prozesse erfolgt.
  • Intensive, wertschätzende und gleichberechtigte Kommunikation zwischen den Akteuren der verschiedenen Bereiche ist hierfür wesentlich.
  • Die unterschiedlichen „Welten“ der Lehramtsstudierenden brauchen nicht vereinheitlicht zu werden. Der Eigenwert und die Eigenart jeder „Welt“ sollte anerkannt werden. Differenzen können reflektiert und sinnstiftend gewendet werden.
  • Beispiel Praxiserfahrung: Eine übergreifende Sammlung von Maßnahmen, die insbesondere den Praxisbezug für Lehramtsstudiengänge verdeutlichen (z. B. Nachmittags-Betreuung in der Ganztagsschule, Sprachpaten etc.), könnte jeder/jedem Studierenden helfen, individuelle Möglichkeiten zu finden, in mehreren „Welten“ zu agieren und sie aufeinander zu beziehen.



Universität Bayreuth: Prof. Dr. Volker Ulm, Prof. Dr. Gabriela Paule
Universität Augsburg: Prof. Dr. Andreas Hartinger, Prof. Dr. Ulrike Nett
Friedrich-Schiller-Universität Jena: Prof. Dr. Bärbel Kracke, Dr. Dana Strauß, Susann Ehrhardt