Forum 1: Fachgruppen als Keimzellen der Zusammenarbeit von lehrerbildenden Akteurinnen und Akteuren

Die Schaffung professioneller Strukturen ist eine der Voraussetzungen, um eine professionsorientierte und evidenzbasierte Lehrerbildung zu realisieren. Die Professional School of Education Stuttgart-Ludwigsburg setzt dieses Ziel in hochschul- und phasenübergreifenden Fachgruppen um. Im Forum wurden die Gelingensbedingungen für deren Arbeit theoretisch modelliert, exemplarisch veranschaulicht und in einer Großgruppenmoderation weiter diskutiert.

Forum 2.1 QLB-Programmkongress 2018

© BMBF/Michael Reitz

Zu Beginn des Forums wurden die rund 20 Teilnehmer*innen zu ihren bisherigen Erfahrungen in phasen- und standortübergreifenden Maßnahmen der Lehrer*innenbildung (LeBi) befragt. Daraus ergaben sich verschiedene Perspektiven, welche im Anschluss an die Vorstellung der Fachgruppenarbeit der PSE PLUS intensiv diskutiert wurden.

1. Zielsetzung der Zusammenarbeit:
In der Diskussion wurde deutlich, dass die Zielsetzung - ausgehend von den Vorerfahrungen der Forums-TN - auf zwei Ebenen betrachtet werden sollte, (i) der Ebene der Adressat*innen (angehende Lehrkräfte) und (ii) der beteiligten Institutionen (Universitäten/Hochschulen und Seminare für Lehrerbildung). Für angehende Lehrkräfte sollte eine kohärente LeBi im Fokus stehen, bei welcher bereits frühzeitig die Herausforderungen des Berufsfelds erarbeitet und während der Praxisphasen eine stetige Reflexion bildungswissenschaftlicher Hintergründe gefordert werden. Für die Akteur*innen der I. und II. Phase der LeBi sollte gleichzeitig das Prinzip „Geben-und-Geben“, also sowohl der symbiotische Nutzen für die akademisch-wissenschaftlichen wie auch für die praxisbezogenen Anteile der Professionalisierung, gewährleistet sein.
Dies sei im Gegensatz zur Verzahnung der I. und II. Phase in der Zusammenarbeit zwischen Fachwissenschaft und -didaktik bereits vielerorts gelebte Praxis.

Forum 2.1 QLB-Programmkongress 2018

© BMBF/Michael Reitz

2. Kooperation zwischen den Akteuren
Auf Grundlage des „hybrid space“ (Whitchurch, 2010) sei eine Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“nur durch eine Verbindung von „Top-Down“- mit „Bottom-Up“-Strategien möglich: Demnach sollte die Einrichtung von Fachgruppen eine auf Leitungsebene zu entscheidende und verbindliche Strukturentwicklungsmaßnahme, deren Umsetzung jedoch in hohem Maße den beteiligten (Fach-)Verantwortlichen zu überlassen sei. Hier wurde auf eine kompetente Moderation verwiesen, welche einerseits auftretende Konflikte zulässt („Anfechtung“) und andererseits auch verbindliche Regeln zielführender Kommunikation einfordert. Insbesondere sei die aktive Bewältigung von Attribuierungen und Vorurteilen zu adressieren, um nicht zuletzt eine gemeinsame Sprache zu finden und um auftretendes „Kompetenzgerangel“ zu kanalisieren: Diversität sei als Chance und Ressource anstatt als Makel wert zu schätzen, auf Ebene der Lehrenden wie auch der Studierenden.

3. Übertragbarkeit auf andere Standorte und methodisches Vorgehen
Die Erfahrungen der PSE-PLUS können nicht ohne Weiteres auf andere Standorte übertragen werden. Dennoch lieferten sie wichtige Impulse, da die Herausforderungen der kohärenten LeBi an den meisten Standorten vergleichbar seien. Hier wurde schnell deutlich, dass auch das Anerkennen sowie die Konfrontation mit den anfänglich zu erwarteten Spannungen, Vorurteilen und unterschiedlichen Zielsetzungen ein wichtiger Schritt für eine Annäherung und für einen gemeinsamen Neuaufbau im Sinne des hybrid space notwendig sind. Nach Ansicht der TN ist ein methodisches Vorgehen angeraten, bei dem Erwartungen und Überzeugungen, Einstellungen und Rollenvorstellungen, berufsbiografische Hintergründe ebenso aktiv thematisiert wie Vorurteile und strukturell-politische Ängste ausgesprochen werden.

Abschließend kann zusammengefasst werden, dass in diesem Forum ein ausgesprochen konstruktiver Diskurs geführt wurde, welcher sich hoffentlich in einem nächsten Programmkongress der QLB vertiefen und mit empirischen Daten erweitern lässt.


Pädagogische Hochschule Ludwigsburg: Prof. Dr. Steffen Schaal
Universität Hohenheim: Dr. Christian König
OStR Michael Eick, Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Gymnasium) Esslingen