Forschen am Unterricht des 21. Jahrhunderts

Das Projekt DoProfiL der TU Dortmund eröffnet ein Labor für forschungsbasierte und inklusionsorientierte Lehrer/-innenbildung.

Eröffnung des LabprofiL an der TU Dortmund

Eröffnung des LabprofiL an der Technischen Universität Dortmund

TU Dortmund/Oliver Schaper

Seit fast drei Monaten gibt es an der TU Dortmund einen besonderen Lehr- und Lernraum. Am 20. November 2017 wurde das LabprofiL, das Labor für forschungsbasierte und inklusionsorientierte Lehrer/-innenbildung, nun offiziell eröffnet und hat damit den Regelbetrieb aufgenommen: Im Gebäude Emil-Figge-Straße 50 sind ein technisch sehr gut ausgerüsteter Klassenraum und ein benachbarter Beobachtungsraum entstanden, in denen Lehrveranstaltungen mit Studierenden aber auch Unterrichtssituationen mit Schülerinnen und Schülern beobachtet, dokumentiert und analysiert werden. Ziel ist es, maßgeschneiderte Lehr- und Lernkonzepte  für eine „Schule für alle“ zu erarbeiten – ein Unterricht, der der diversen Schülerschaft mit all ihren Stärken und Eigenheiten gerecht wird. Das Labor ist ein Baustein des Projekts DoProfiL, mit dem sich die TU Dortmund an der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ beteiligt. Damit werden  Lehrerinnen und Lehrer auf die veränderten Bedingungen einer Schule am Beginn des 21. Jahrhunderts vorbereitet. „Wir wollen die komplette Lehrer/-innenausbildung an der Uni verändern“, sagt Stefan Schmidt, der das Projekt LabprofiL betreut.

Erprobung des Unterrichts unter realen Bedingungen

Die abgeordneten Lehrerinnen Sina Römer (Karl-Ernst-Osthaus-Grundschule in Hagen) und Christine Fresen (Werner-von-Siemens-Hauptschule in Bochum) gehören zu den Ersten, die im LabprofiL mit Schülerinnen und Schülern arbeiten. Und sie haben bereits gute Erfahrungen gemacht: „Binnen kürzester Zeit ist die Technik im Labor vergessen“, sagt Sina Römer, „und auch, dass man nicht im normalen Unterricht sitzt“. Christine Fresen ergänzt: „Die Kinder genießen die Aufmerksamkeit, die sie bei uns finden. Sie erleben, dass ihr Lernen geschätzt wird.“ Die beiden Lehrerinnen bringen Praxiserfahrung mit und verbinden sie mit theoretischen Konzepten, einer Mischung, die Lehramtsstudierende im LabprofiL  erwerben sollen. „In dem mit neuester Video- und Beobachtungstechnik ausgestatteten Labor erhalten Lehramtsstudierende die Möglichkeit, unter realen Bedingungen unterrichtliche Maßnahmen in einem geschützten Raum zu erleben, zu erproben und zu reflektieren“,  sagt Prof. Stephan Hußmann, Projektleiter von DoProfiL.

„Unsere Vision ist, dass jeder Lehramtsstudierende im Laufe seines Studiums Erfahrungen im LabprofiL macht.“

Prof. Stephan Hußmann

Das LabprofiL bietet eine Reihe technischer Möglichkeiten, Unterrichtssituationen zu beforschen: Auf den Tischen stehen hochwertige Mikrofone, die ebenso wie mehrere Kameras individuell gesteuert werden können. Das geschieht aus dem Nachbarraum, in dem auf mehreren individuell eingerichteten Arbeitsplätzen die Arbeit von bis zu sechs Unterrichtsgruppen gleichzeitig aufgezeichnet werden kann. Dass das LabprofiL barrierefrei und mit höhenverstellbaren Stühlen und Tischen ausgestattet ist, dass Hörschleifen für hörbeeinträchtigte Schülerinnen und Schülern gutes Zuhören ermöglichen, war für das Planer-Team des Raums selbstverständlich – gehört aber zu den Alleinstellungsmerkmalen.

Video-Vignetten als Best-Practice Beispiele

Bis zu 20 Studierende oder Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 13 haben Platz im LabprofiL. In der Regel arbeiten die Pädagoginnen und Pädagogen aber mit Kleingruppen. Dabei entstehen, unter Berücksichtigung datenschutzrechtlicher Bestimmungen, „Video-Vignetten“, das sind kurze Filmsequenzen von Unterrichts- oder Seminarsituationen, die in der Lehrerbildung exemplarisch eingesetzt werden können. So entstehen Best-Practice Beispiele, die auch in Lehrveranstaltungen außerhalb des Labors eingesetzt werden können. Die Praxis im LabprofiL strahlt so in die Lehrerbildung aus. „Wir wollen Lernprozesse verstehen“, sagt Prof. Barbara Welzel, Prorektorin für Diversitätsmanagement. Dass das LabprofiL dafür eine gute konzeptuelle wie infrastrukturelle Basis liefert, stellt auch Dr. Fridtjof Filmer vom Ministerium für Schule und Bildung des Landes NRW heraus, der das LabprofiL als einen „sehr wichtigen Beitrag für die Lehrerbildung des Landes“ bezeichnet. Mehr und bessere Praxis sei bereits während des Studiums möglich.

Technisch sind die Möglichkeiten des LabprofiL längst nicht ausgeschöpft. Umgang mit digitalen Medien, Eye-Tracking, das Phänomen Mehrsprachigkeit  uvm. sind weitere Themen, die auf der Tagesordnung stehen – alles für eine umfassende inklusionsorientierte Lehrer/-innenbildung an der TU Dortmund.
 

Bild Teaser: TU Dortmund/Oliver Schaper