"Feedbackkultur in der Lehrer*innenbildung" – ein praxisorientierter Workshop-Tag in Halle

Im Rahmen der "Kleine Fächer-Wochen" fand am 11. Januar 2020 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ein praxisorientierter Workshop-Tag rund um das Thema Feedback statt. An der Veranstaltung, einer Kooperation zwischen der Abteilung Sprechwissenschaft und dem Zentrum für Lehrerbildung, nahmen zahlreiche Akteurinnen und Akteure aus Universität, 2. und 3. Phase teil.

In den praxisorientierten Workshops gab es reichlich Gelegenheit zum interdisziplinären Austausch.

In den praxisorientierten Workshops gab es reichlich Gelegenheit zum interdisziplinären Austausch.

© Jessica Grashoff

Von Friderike Lange

Als zentrale Frage stand über der Veranstaltung: Wie kann eine Feedback-Kultur gestaltet werden, auf deren Basis Scheitern erlaubt ist und ein vertrauensvoller, achtsamer und (ko-)konstruktiver Lernprozess im Gespräch stattfinden kann?

Dazu lieferten im ersten Teil des Workshop-Tags zwei kurze Vorträge, gehalten von Dirk Meyer, Sprechwissenschaft, und Prof. Dr. Annett Wolgast, pädagogische Psychologie, Impulse zum Feedback als Haltung aus Sicht des radikalen Konstruktivismus und zur Bedeutung des Feedback für den Lernprozess aus Sicht der pädagogischen Psychologie.

Im Anschluss daran gab es die Möglichkeit, ausgewählte Facetten rund um das Thema Feedback in verschiedenen Workshops zu vertiefen, die in zwei Slots jeweils am Vor- und Nachmittag mit jeweils drei parallel laufenden Workshops stattfanden.

Workshop 1 "Feedback und Macht – eine vorurteilsbewusste Perspektive mit dem Anti-Bias-Ansatz entwickeln" mit Nele Kontzi vom Anti-Bias-Netzwerk Berlin, lud zu einem erfahrungsorientierten Austausch zum Umgang mit Feedback und Macht auf Grundlage des Anti-Bias-Ansatzes ein. Grundsätzlich ging es darum, zu erkunden, wie Begriffe, Sprache und Positionierung die eigenen Einstellungen prägen und dabei zu hinterfragen, welche Auswirkungen diese auf den Umgang mit Feedback haben können mit dem Ziel, eine machtsensible Perspektive in pädagogischen Settings zu entwickeln und verschiedene Ausgrenzungsformen in den Blick zu nehmen.

In Workshop 2 "Mit Kollegialer Beratung den eigenen Blick erweitern und einen bunten Strauß an Ideen einsammeln" mit Annett Ammer-Wies vom Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung der Uni Leipzig, ging es darum, die Methode der Kollegialen Beratung als Form des kollegialen Feedbacks erfahrbar zu machen.

In Workshop 3 "Feedback geben – im Spannungsfeld zwischen Beraten und Bewerten" mit Maxi Grehl und Dr. Friderike Lange vom Zentrum für Lehrer*innenbildung der Uni Halle wurden Handlungskonzepte fürs Feedbackgeben in Reflexionsgesprächen erprobt und das Feedback als Haltung im Spannungsfeld zwischen Beraten und Bewerten reflektiert.

Workshop 4 "Buntes Feedback-Buffet. Feedbackmethoden all you can feed" mit Maxi Grehl vom Zentrum für Lehrer*innenbildung der Uni Halle bot die Möglichkeit, abwechslungsreiche Methoden fürs Feedbackgeben kennenzulernen und auszuprobieren.

Workshop 5 "Fehler annehmen, mit Wonne scheitern. Ein Clown-Workshop zu Fehlerkultur" mit Larsen Sechert vom Knalltheater Leipzig vervollständigte die Palette mit einem theaterpädagogischen Angebot, bei dem es darum ging, Ansätze des Clownspiels erfahrbar und die Energie eines Clowns für den Alltag nutzbar zu machen.

In der anschließenden Abschlussrunde im Plenum wurden die Ergebnisse der Workshops kurz zusammengefasst. Als zentrale Erträge wurden dabei der interdisziplinäre Austausch und das Reflektieren der eigenen Arbeitskontexte und -praktiken auf Grundlage der in den Vorträgen und Workshops erhaltenen Impulse genannt. Außerdem gab es den Aufruf zur Initiierung eines Forums zum regelmäßigen Erfahrungs- und Informationsaustausch zum Thema Feedback, das in den kommenden Semestern in Kooperation mit dem halleschen Qualitätsoffensive-Projekt KALEI².

Mit insgesamt 77 Teilnehmenden war der Workshop-Tag gut besucht und kann auf Grundlage der durchweg positiven Rückmeldungen als erfolgreich betrachtet werden.