"Evidenzbasierte Unterrichtsentwicklung und Lehrerbildung" – Tagung an der Universität Koblenz-Landau

Eine Vielzahl von Akteuren aus Schulen, Landesinstitutionen, Bildungsadministration, Studienseminaren und Wissenschaft beteiligen sich an der Ausgestaltung von Unterrichtsentwicklung und Lehrerbildung. An der Universität Koblenz-Landau haben das QLB-Projekt MoSAiK und das DFG-Graduiertenkolleg UpGrade (Unterrichtsprozesse) eine Tagung veranstaltet, die einen intensiven Austausch zwischen diesen Akteuren ermöglichte.

Tagungsteilnehmer an der Universität Koblenz-Landau

Braucht Schule Forschung? Welche Bedeutung hat die Schulform für Inklusionsprozesse? Zu diesen und weiteren Fragen diskutierten die Tagungsteilnehmenden im World Café.

© Regina Schleicher/Universität Koblenz-Landau

Von Regina Schleicher

Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen am 18. und 19. Februar 2019 auf dem Campus Landau zusammen, um über aktuelle Forschung und deren Ergebnisse zu informieren, Projekte an Schulen und im Fortbildungsbereich vorzustellen und zu diskutieren. Zwei Plenarvorträge steckten den thematischen Rahmen für die Tagung ab, die insgesamt von einem Wechsel zwischen unterschiedlichen Formaten der Projektpräsentation und des Austauschs geprägt war. Prof. Dr. Anna-Katharina Praetorius von der Universität Zürich eröffnete am Montagmorgen mit ihrem Vortrag zur Gestaltung und Wirksamkeit von Lehrerfortbildungen. Sie warf zum einen die Frage auf, wie Lehrerfortbildungen gestaltet sein müssen, um wirksam zu sein und zum anderen, wie Forschung die Wirksamkeit in den Blick bekommen kann. In einem Resümee nannte die Professorin für pädagogisch-psychologische Lehr-Lernforschung und Didaktik Gelingensbedingungen für Fortbildungen wie die Kohärenz der Fortbildungsinhalte mit Lehrerwissen und Vorgaben sowie ein fachdidaktischer Fokus, zudem nannte sie förderliche Faktoren wie die Dauer einer Fortbildung, die Teilnahme in Teams und das methodische Setting, das beispielsweise das aktive Lernen fördert. Am zweiten Tag referierte der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Ewald Terhart (Westfälische Wilhelms-Universität Münster) zum Thema Forschung zur Lehrerbildung – Gestaltung der Lehrerbildung: Vermittlungsprobleme. Der Vortrag gab einen Überblick über die Entwicklungslinien der Inhalte und methodischen Zugänge der Forschung in dem Bereich und fixierte unter anderem mit der Forschung zum Praxissemester, zur Inklusion und zur schulischen Integration von Geflüchteten die wichtigsten aktuellen Themen der Lehrerbildungsforschung. Prof. Terhart verwies abschließend auf das grundsätzlich bestehende Spannungsverhältnis zwischen der wissenschaftlich festgestellten Evidenz und Entscheidungen, die im politischen Feld getroffen werden und häufig evidenzbasierten Gestaltungsmöglichkeiten eine Grenze ziehen.

In insgesamt acht Vortragspanels wurden eine Reihe fachbezogener und fachübergreifender Fragestellungen aus der Sicht aktueller wissenschaftlicher Forschung zur Diskussion gestellt. Mehrere Vorträge widmeten sich Praxisperspektiven aus der Schul- und Unterrichtsentwicklung, wie der Beitrag von Joachim Gerking von der Alexander-von-Humboldt-Schule in Lauterbach (Hessen) zu dem Mehrwert, der sich für eine Schule aus evidenzbasierter Unterrichtsentwicklung ergibt. Aus dem Fortbildungsbereich referierten Dr. Birgit Pikowsky (Pädagogisches Landesinstitut) und Joachim Jung-Sion (Institut für Lehrerfort- & weiterbildung Mainz) zu geeigneten Fortbildungs- und Beratungsangeboten für Lehrkräfte und zur Frage der Evaluation von Fortbildungen. Die Kooperation von Schule und Hochschule und Wünsche aus schulischer Perspektive standen im Mittelpunkt der Vorträge von Dagmar Linnert (Eduard-Spranger-Gymnasium Landau) und Manfred Schabowski (Konrad-Adenauer-Realschule Plus Landau).

45 Projekte aus Universität, Schule und Fortbildung beteiligten sich am Montagnachmittag an einer Ausstellung mit Wissenschaftspostern und vielgestaltigem Anschauungsmaterial zu Projekten und Angeboten aus den verschiedenen Bereichen. Der Tag konnte mit einer Science Slam, die Forschung aus den Bereichen Geographiedidaktik, Ernährungsmedizin, Landnutzungskonflikte und Physik unterhaltsam vorstellt, und einem "Meet & Eat" beschlossen werden, musikalisch begleitet von der Schülerband "Fat Duck".

Der zweite Tag bot ausreichend Stoff und Gelegenheit für Kontroversen rund um das Tagungsthema. Eine Podiumsdiskussion brachte Vertreter der Forschung (Prof. Dr. Manfred Schmitt, Prof. Dr. Alexander Kauertz, beide Universität Koblenz-Landau), des Rheinland-Pfälzischen Ministeriums für Bildung, vertreten durch Dr. Markus Maier, mit dem Fortbildungsbereich (Dr. Birgit Pikwosky, Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz) und der schulischen Perspektive, vertreten durch Dagmar Linnert vom Eduard-Spranger-Gymnasium Landau, zusammen. Ein weiteres Highlight der Tagung stellte ein World Café dar, in dem alle Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer an fünf moderierten Thementischen auf der Podiumsdiskussion angesprochene Fragen wie "Braucht Schule Forschung?" oder "Welche Bedeutung hat die Schulform für Inklusionsprozesse?" weiterdiskutieren konnten.

Insgesamt blicken die Veranstalter auf eine inhaltlich höchst ergiebige Tagung zurück, die – wie beabsichtigt – einen intensiven Austausch aller Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer ermöglichte. Für das Ende der ersten Förderphase des Projekts MoSAiK und dem Abschluss des DGF-Graduiertenkollegs UpGrade stellte die Veranstaltung einen würdigen Rahmen dar, in dem Forschung, Rahmenbedingungen und Praxen in einen Austausch mit Synergieeffekten treten konnten, der im Anschluss an die Tagung seine Fortsetzung mit nachhaltigen Auswirkungen finden kann.