Digitale 5. TUD-Sylber-Konferenz zu "Heterogenität und Inklusion in der Lehrer*innenbildung" in Dresden

Am 14. November 2020 fand die jährliche Tagung der Technischen Universität Dresden zur sächsischen Lehrkräftebildung erstmals in digitaler Form statt. Vertreterinnen und Vertreter von Hochschulen, Ausbildungsstätten und Schulen widmeten sich in diesem Jahr der Frage, wie angehende Lehrkräfte am besten auf den Umgang mit einer heterogenen Schülerschaft vorbereitet werden können.

Jugendliche und eine junge Frau sitzen um einen Tisch herum und bearbeiten Aufgaben

Angehende Lehrkräfte darauf vorzubereiten, Lernprozesse mit vielfältigen Lerngruppen zu gestalten, ist eine zentrale Aufgabe der Lehrkräftebildung.

© BMBF/Alexandra Roth

Von Rolf Puderbach

Schulen und Lehrkräfte stehen zunehmend vor der Herausforderung, Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen individuellen Voraussetzungen die gleichberechtigte Teilhabe an Unterricht und Schulleben zu ermöglichen. Angehende Lehrkräfte darauf vorzubereiten, Lernprozesse mit vielfältigen Lerngruppen zu gestalten, ist eine zentrale Aufgabe der Lehrkräftebildung.

Dabei geht es nicht nur um Schülerinnen und Schüler mit körperlichen Einschränkungen oder besonderem Förderbedarf. Die Vielfältigkeit von Lerngruppen entsteht vielmehr entlang von zahlreichen Heterogenitätsdimensionen wie zum Beispiel Alter, Sprache, Geschlecht, sexuelle Identität, soziale und ethnische Herkunft.

Der Austausch und die Vernetzung der Lehrenden und Forschenden, die sich vielerorts in Sachsen dem Umgang mit Heterogenität in Schulen widmen, stand im Mittelpunkt der 5. TUD-Sylber-Konferenz "Heterogenität und Inklusion in der Lehrer*innenbildung" mit über 100 Teilnehmenden.

Umgang mit Heterogenität, so wurde in den zahlreichen Beiträgen deutlich, ist einerseits eine Aufgabe für die Lehrkräfte, die Unterricht so gestalten sollten, dass Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichsten Lernvoraussetzungen und Bedarfen bestmöglich gefördert werden. Umgang mit Vielfalt ist andererseits auch ein Lernziel: Schülerinnen und Schüler sollen in der Schule lernen, mit der Vielfältigkeit ihrer Mitschüler umzugehen und ein diskriminierungsfreies Miteinander zu gestalten.

Das Programm trug dieser Breite und Vielseitigkeit des Konferenzthemas Rechnung. In elf parallelen Workshops und einem digitalen Austauschforum mit zwölf Kurzbeiträgen wurde über inklusive Unterrichtsmodelle, subjektorientierte Diagnostik und Lernzieldifferenzierung ebenso diskutiert wie über antirassistische, transkulturelle und sexuelle Bildung.

Bei aller Verschiedenheit der Perspektiven bestand am Ende der fünfstündigen Konferenz Einigkeit darüber, dass Umgang mit Heterogenität, Inklusion und Vielfaltssensibilität Querschnittthemen der Lehrkräftebildung sind, die sowohl im Lehramtsstudium und im Vorbereitungsdienst, als auch in der Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern einen festen Platz haben müssen. Dabei geht es um eine vielfaltssensible Haltung der Lehrkräfte ebenso wie um das pädagogische Handwerkszeug, um mit den erörterten Herausforderungen umzugehen. Kooperationen der verschiedenen lehrerbildenden Institutionen haben dabei großes Potential, so der Tenor der Konferenz.

Die Befunde einer groß angelegten Lehrkräftebefragung durch das Zentrum für Lehrerbildung, Schul- und Berufsbildungsforschung (ZLSB) der Technischen Universität Dresden, die im Rahmen der Konferenz vorgestellt wurden, zeigen aber auch: sächsische Lehrerinnen und Lehrer stehen einer gemeinsamen Beschulung von Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf skeptisch gegenüber, fühlen sich durch Inklusion belastet und befürworten ein Festhalten an der bestehenden Förderschulstruktur in Sachsen. Hierin unterscheiden sie sich nicht wesentlich von Lehrkräften anderer Bundesländer. Der sächsischen Lehrkräftebildung bleibt auf jeden Fall in Sachen Inklusion noch einige Überzeugungsarbeit zu leisten.