Buch "Ethos: interdisziplinäre Perspektiven auf den Lehrerinnen- und Lehrerberuf " erschienen

Im Dezember 2019 ist der von Colin Cramer und Fritz Oser herausgegebene Band "Ethos: interdisziplinäre Perspektiven auf den Lehrerinnen- und Lehrerberuf. In memoriam Martin Drahmann" erschienen. Dieser Band versammelt unterschiedliche disziplinäre Perspektiven und zeigt so ein breites Spektrum an Zugängen zum Berufsethos von Lehrpersonen auf. Die Autorinnen und Autoren würdigen mit den hier versammelten Beiträgen das Werk von Martin Drahmann im Anschluss an seinen viel zu frühen Tod.

eine Frau liest in einem Buch; Foto:Colin Cramer

Das Berufsethos von Lehrpersonen ist eine vertiefte Betrachtung wert.

© Colin Cramer

Die öffentliche und bildungspolitische Diskussion um Werteerziehung und Verantwortungslernen in Schule und Unterricht hat in den vergangenen Jahren wieder verstärkt Aufmerksamkeit erfahren. In welcher Weise allerdings Lehrerinnen und Lehrer ein (berufsspezifisches) Ethos aufweisen, wurde bislang überwiegend im wissenschaftlichen Diskurs zum Gegenstand. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema verbindet sich mit dem wissenschaftlichen Werk von Martin Drahmann, der viel zu früh und mitten in Arbeiten zum vorliegenden Band aus dem Leben gerissen wurde, den die Herausgeber nun in seinem Gedenken fertigstellen konnten. Der Band umfasst zehn Beiträge aus verschiedenen disziplinären Perspektiven auf das Berufsethos von Lehrpersonen.

Martin Drahmann und Colin Cramer greifen das schon vor über 30 Jahren markierte Desiderat einer Schärfung dessen auf, was unter "Ethos " mit Blick auf Lehrpersonen verstanden werden kann. Im Anschluss legen Martin Drahmann und Fritz Oser eine Abgrenzung des Diskurses um Ethos zu den Begriffen Moral und Werte vor. Otfried Höffe beschreibt in philosophischer Perspektive ein Verständnis von Berufsethos, das diejenigen Personen auszeichnet, die als gute, vielleicht sogar ideale Vertretende der jeweiligen Berufe gelten können. Im Beitrag von Eveline Gutzwiller-Helfenfinger wird der Blick auf die lebenslange soziomoralische Entwicklung gerichtet und die zentrale Wertvorstellung von Lehrpersonen wird in der Aktualisierung ihrer eigenen Potenziale verortet. Daniel Goldmann und Marcus Emmerich postulieren in ihrem systemtheoretischen Beitrag, ein in der Praxis anerkanntes Berufsethos müsse vor allem professionsspezifische Grenzprobleme im Kern des Pädagogischen bearbeiten.

Der Beitrag von Friedrich Schweitzer versteht Berufsethos im Sinne überdauernder Einstellungen in Bezug auf Qualifikation, Aufgabenverständnis und autonome Aufgabenerfüllung von evangelischen Religionslehrpersonen. Fahimah Ulfat plädiert für eine bislang noch nicht erfolgte Festlegung fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Standards für die Islamische Religionslehre. Dann argumentieren Felix Schreiber und Martin Harant, die Frage nach angemessener pädagogischer Praxis könne nicht endgültig beantwortet werden. Mit seinem Beitrag nimmt Thomas Potthast die Doppelrolle von Lehrpersonen als Pädagoginnen und Pädagogen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zum Anlass, über die Verbindung beider Aspekte in ethischer Perspektive zu reflektieren. Der abschließende Beitrag von Christopher Gohl versteht Lehrerethos im Sinne eines Weltethos als Bewusstsein für Globalität, Pluralität und Humanität.