Aus der Industrie über die Universität an die beruflichen Schulen – ein Kommentar zum Einstieg in den Vorbereitungsdienst in wechselhaften Zeiten

Der Einstieg in das Referendariat ist für jeden Studienabsolventen eine aufregende und neue Erfahrung. Öffentlich wird viel diskutiert, ob die Universität ausreichend auf das Referendariat vorbereitet oder ob die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis zu groß ist. Im Studiengang "Master Berufliche Bildung Integriert" der Technischen Universität München starten Studierende bereits nach zwei Studiensemestern in den Vorbereitungsdienst – und werden dabei universitär begleitet.

Schülerinnen und Schüler stehen um eine Motorhaube herum

Absolventinnen und Absolventen des Lehramtes an beruflichen Schulen unterrichten Auszubildende in der Berufsausbildung an Berufskollegs, Berufsfachschulen, Berufsschulen und Berufs- und Fachakademien.

© BMBF/Alexandra Roth

Ein Kommentar von Benedikt Klingler

Als Studierende des Studiengangs "Master Berufliche Bildung Integriert", ein Teil des Projekts "Teach@TUM" der Technischen Universität München, beschreiten wir einen besonderen Weg der Lehrkräfteausbildung: Als Absolventinnen und Absolventen eines abgeschlossenen technischen Studiums in den Bereichen Metalltechnik oder Elektro- und Informationstechnik, und ausgestattet mit Kenntnissen aus der Berufspraxis, werden wir bereits ab dem zweiten Ausbildungsjahr für den Einsatz als Lehrkräfte an beruflichen Schulen qualifiziert. Während im ersten, rein universitären Ausbildungsjahr, fachwissenschaftliche Inhalte im Unterrichtsfach Mathematik oder Physik sowie didaktische, psychologische und lerntheoretische Grundlagen im Vordergrund stehen, gehen die universitären Lehrveranstaltungen danach bereits deutlich zurück. Im Vordergrund steht dann die Ausbildung an den Seminarschulen der beruflichen Fachrichtung und des Unterrichtsfaches – in enger Verzahnung mit dem staatlichen Studienseminar und begleitet von der Universität.

Einstieg in das Referendariat nach kurzer Vollzeitphase an der Universität

Nach dem ersten Studiensemester mit gewohnten Präsenzveranstaltungen wurden die Universität und wir als Studierende im zweiten Studiensemester aufgrund der Ausbreitung der Corona-Pandemie mit der Umstellung auf ein Distanz-Studium konfrontiert. Es gelang uns diesen Studienabschnitt zu meistern und wir starteten im September 2020 in Kleingruppen in den Vorbereitungsdienst. Der Start an der Seminarschule verlief sehr positiv und äußerst unterstützend. Wir erlebten einen sehr gut auf individuelle Bedürfnisse eingehenden Seminarlehrer, ein aufgeschlossenes und hilfsbereites Kollegium sowie freundliche und lernwillige Schülerinnen und Schüler, also ideale Voraussetzungen für den Start unserer Ausbildung und unsere künftige berufliche Tätigkeit.

Im Fokus standen zunächst Hospitationen bei berufserfahrenen Lehrkräften und die Vorbereitung, Durchführung und Nachbesprechung eigener Lehrversuche. In Verbindung mit Präsenzunterricht an den Schulen ein sehr gut funktionierendes Modell. Bekanntermaßen befinden wir uns in Pandemiezeiten und seit Anfang Dezember 2020 im Distanzunterricht, was neue und unerwartete Herausforderungen mit sich bringt.

Rückblick auf die berufliche Vorbildung und hochschulische Ausbildung

Aufgrund unseres Erst-Studiums und anschließender beruflicher Tätigkeit vor der Entscheidung für den Lehrberuf, sind wir sowohl für unser jetziges Studium als auch für den Einstieg in den Vorbereitungsdienst gut vorbereitet und müssen uns nicht komplett neu orientieren. Das vorausgegangene Jahr an der Universität hat uns viele, theoretische und evidenzbasierte Ansätze zur Umsetzung von Unterricht erschlossen – eine solide Basis für eine berufliche Laufbahn als Lehrkraft.

Beim Einstieg in das Referendariat helfen mir jedoch zunächst meine Bereitschaft, auf andere Menschen zuzugehen, die Einschätzung bestimmter Situationen mit bereits gewonnener Lebenserfahrung und meine erworbenen fachlichen Grundlagen am meisten. Als hilfreich empfinde ich aber auch die Eindrücke aus schulischen Praktika während des ersten Semesters unseres Studiums, die von der Universität mit erfahrenen Dozierenden – Lehrkräften aus der Schulpraxis – begleitet wurden. Jeder von uns Studierenden konnte auch hier schon eigene Lehrversuche umsetzen, mit Lehrkräften aus Universität und Schule nachbesprechen und für die Zukunft lernen. Aus meinem ersten Studienjahr sind mir diese Eindrücke als besonders lehrreich und motivierend im Gedächtnis geblieben. Als Herausforderung im zweiten Semester erwiesen sich die Vorlesungen über Zoom oder das Anfertigen von Studienarbeiten im "Distanz-Studium". Aber auch diese Zeit war lehrreich und die Aussicht auf das Präsenzlernen im Referendariat hat uns alle beflügelt.

Ich fühle mich durch mein einjähriges Aufbaustudium ausreichend theoretisch fundiert und gut für die schulische Praxis vorbereitet. Außerdem sind wir parallel zum Referendariat noch in der universitären Ausbildung – meiner Meinung nach ein sehr zielführendes Modell der Lehrkräfteausbildung.

Die Herausforderungen unserer Lehrkräfteausbildung "in Distanz"

Durch den angeordneten Distanzunterricht sind wir in relativ kurzer Zeit von unseren ersten, im Präsenzunterricht erworbenen Methoden, auf die Gestaltung von digitalem Unterricht umgestiegen. In erster Linie eine für uns spannende Erfahrung. Über digitale Tools lässt sich Unterricht gestalten und das Schüler-Lernen gut anregen. Auch Gruppenarbeiten mit hochwertigen Gruppenergebnissen lassen sich, bei klaren Instruktionen, über sogenannte Break-Out-Rooms umsetzen. In unserer Lehrkräfteausbildung lernen wir auch hier trotz unerwarteter äußerer Umstände enorm dazu.

Neben den positiven Aspekten sind für mich allerdings der direkte menschliche Kontakt, das gemeinsame soziale Lernen an der Schule und die direkte menschliche Kommunikation nicht mit einer Videokonferenz zu ersetzen. Und so empfinden es wahrscheinlich alle am Unterricht Beteiligten. Neben der (umfangreicheren) Vorbereitung des digitalen Unterrichts nimmt uns, die "in der Nebenrolle"-Studierenden, die Prüfungsvorbereitung und die Anfertigung unserer Master-Arbeit in Anspruch. Die alltäglichen Herausforderungen nicht zu vergessen, die aktuell jedes Mitglied unserer Gesellschaft stemmt. Zwei Studierende unserer Studiengruppe müssen dieses straffe Programm sogar mit ihren Familien unter einen Hut bringen und kämpfen gleichzeitig im Home-Schooling für die eigenen Kinder. Eine Leistung, die sehr hoch einzuschätzen ist.

 

Portraitfoto Benedikt Klingler © Benedikt Klingler

Benedikt Klingler studiert im "Master Berufliche Bildung Integriert" der Technischen Universität München

© Benedikt Klingler

Benedikt Klingler hat nach dem Abitur zunächst Fahrzeug- und Motorentechnik an der Technischen Universität München studiert. Nach mehrjähriger Berufstätigkeit in der Automobilindustrie und einem spontanen Schulpraktikum an einer Berufsschule fiel der Entschluss für die Weiterqualifizierung zur Lehrkraft an beruflichen Schulen.