Professionalisierung durch Heterogenitätssensibilisierung – KALEI2-Eröffnungstagung an der Universität Halle

Am 28.11.2019 fand an der Universität Halle-Wittenberg die Eröffnungstagung zum Beginn der 2. Förderphase des Projekts KALEI2 statt. Mitarbeitende der Universität, des Projekts und Gäste tauschten sich zu Erreichtem sowie zu Zielen und Herausforderungen für die kommenden Jahre aus. Es wurden Konzepte der heterogenitätssensibilisierenden Lehrerbildung vorgestellt und Herausforderungen einer Professionalisierung angehender Lehrkräfte für Inklusion am exklusiven Lernort Hochschule diskutiert.

Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Rolf-Torsten Kramer (Foto: Annett Plonka)

Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Rolf-Torsten Kramer

© Annett Plonka

Von Anne Fett  und Susanne Schütz

Schulen sind für gesellschaftliche Teilhabe konstitutiv, einer heterogenitätssensibilisierenden Lehrer*innenbildung, die angehende Lehrer*innen für einen inklusiven Unterricht professionalisiert, kommt in diesem Sinne innerhalb des Bildungssystems eine bedeutende Funktion zu. Das Projekt KALEI2 ("Kasuistische Lehrerbildung für den inklusiven Unterricht") der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unterstützt eine Lehrer*innenbildung, die Lehramtsstudierenden die Reflexion sowie die Annahme der Verantwortlichkeit für die Entwicklungs-, Lern- und Bildungsprozesse aller Schüler*innen ermöglicht.

Prof. Dr. Christian Tietje, der Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), betonte in seinem Grußwort die profilbildende Bedeutung der Lehrer*innenbildung für die Universität und stellte die positive Entwicklung in diesem Bereich, die nicht zuletzt mit Unterstützung durch die Qualitätsoffensive Lehrerbildung erreicht werden konnte. Zugleich lenkte er den Blick auf die bildungs- und hochschulpolitischen Herausforderungen im Bundesland Sachsen-Anhalt.

Der Direktor des Zentrums für Lehrer*innenbildung (ZLB), Prof. Dr. Georg Maas, stellte in seinen Begrüßungsworten dar, welche strukturbildenden Maßnahmen durch das Projekt KALEI umgesetzt werden konnten. Besonders hob er hierbei die bereits geleistete Arbeit im Bereich der Schulpraktika hervor und verwies auf wertvolle Synergien von KALEI2 mit dem ebenfalls am ZLB angesiedelten DAAD-Modellprojekt "Internationalisierung der Lehrer*innenbildung" sowie mit dem 2020 startenden Digitalisierungsprojekt "DikoLa" ("Digital kompetent im Lehramt"), das ebenfalls aus Mitteln der Qualitätsoffensive Lehrerbildung (QLB) gefördert wird.

In seinem Vortrag beleuchtete der Projektleiter von KALEI2, Prof. Dr. Rolf-Torsten Kramer, den Zusammenhang von Professionalisierung und Heterogenitätssensibilisierung. Der Umgang mit Heterogenität wird hier als ein spezifischer Modus des pädagogischen Handelns verstanden und die Herausbildung eines kritisch-reflexiven Habitus von Lehramtsstudierenden als unverzichtbar im Rahmen einer Lehrer*innenbildung für Inklusion.

Prof. Dr. Tanja Sturm, seit September 2019 Professorin für Inklusive Bildung, Erziehung und Sozialisation in Halle, legte in ihrem Beitrag dar, inwiefern inklusive Lehrer*innenbildung innerhalb des exklusiven Systems Universität stets als Herausforderung erscheint – und welche Ansätze es gibt, diese dennoch gelingend zu gestalten. Die Teilprojekte in diesem Handlungsfeld sollen ganz konkrete Bausteine zur Weiterentwicklung des verpflichtenden Profilmoduls "Heterogenität und Inklusion" entwickeln und Impulse für den themenbezogenen Diskurs der lehrerbildenden Studienfächer an der MLU geben.

Jun.-Prof. Dr. Maxi Kupetz spricht über sprach(en)sensiblen Fachunterricht (Foto: Annett Plonka)

Jun.-Prof. Dr. Maxi Kupetz spricht über sprach(en)sensiblen Fachunterricht

© Annett Plonka

Abschließend veranschaulichte Jun.-Prof. Dr. Maxi Kupetz am konkreten Beispiel der Sprachbildung, wie fachliches und sprachliches Lernen sich gegenseitig bedingen, in welcher Weise sprachliche Bildung als Querschnittsthema bereits in der ersten Förderphase von KALEI im Rahmen vielfältiger Maßnahmen behandelt wurde – und in KALEI2 differenzierter und systematischer im Fokus steht.

Die Vorträge gaben Anlass zu einem anschließenden regen Austausch, in dessen Rahmen sich insbesondere auch die Gelegenheit bot, die neuen Projektmitarbeiter*innen von KALEI2 kennenzulernen, mit diesen über ihre Arbeitsschwerpunkte ins Gespräch zu kommen und Anschlussmöglichkeiten für die inneruniversitäre Zusammenarbeit auszuloten.